Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten

Auf den Punkt kommen

Hinterlasse einen Kommentar

Wir haben verlernt, die Augen auf etwas ruhen zu lassen. Deshalb erkennen wir so wenig.

Jean Giono (1895-1970), frz. Schriftsteller

Gilt das, was Jean Giono über das Sehen sagt, auch für das Hören? Als Geschichten-Profi MUSS ich hinhören, wenn die Nachbarin von ihrer Zeit in Mexiko erzählt. Also lausche ich. Ich lasse meine „Ohren auf ihrer Geschichte ruhen“. Dafür schenkt sie mir eine neue Geschichte; ich höre etwas, das in meine Geschichten einfließen wird; ich bekomme eine Erklärung für etwas bislang Unverständliches. Am Ende hat es sich gelohnt – auch wenn die Nachbarin keine begnadete Erzählerin ist.

Image

Hörst Du hin, wenn deine Assistentin dir etwas erzählen möchte, oder der Buchhalter oder die Frau aus dem Telemarketing? Sperrst du die Ohren auf für die Geschichten deines Kindes, deiner Ehefrau, deines Partners? Es kann gut sein, dass du von ihnen etwas erfährst, das dich weiterbringt.

Gionos Satz kann dir aber auch helfen, wenn du etwas erzählen möchtest. Denn möglicherweise haben deine Zuhörer verlernt, ihre Ohren auf etwas ruhen zu lassen. Sie wollen, dass du doch bitte schnell „auf den Punkt kommst“. Aber wie macht man das?

Erst denken, dann erzählen

Es hilft, vor dem Sprechen zu denken. Gehe in Gedanken die Geschichte durch, die du erzählen möchtest: Was kommt zuerst, was danach, was dann? Für die Zuhörer ist es einfacher, eine chronologisch aufgebaute Geschichte zu verstehen, als wenn du dich zwischendurch unterbrichst mit „ach, übrigens, zwei Tage vorher hatte sie ihr Auto auch schon auf diesem Parkplatz abgestellt …“

Was wollen die Zuhörer wissen?

Erzähle nur das, was für deine Zuhörer (!) wichtig ist. Für manche Leute genügt es zu wissen, dass fünf Personen im Raum waren; für andere ist es von Bedeutung, dass Andreas, Petra, Berthold, Annemarie und Petras Mutter Martha anwesend waren; wieder andere interessieren sich brennend dafür, dass Martha und Petra ausgesprochen unkleidsame Jeans trugen.

Wenn Schluss ist, ist Schluss

Wenn die Geschichte zu Ende ist, ist sie zu Ende. Dein letzter Satz kann unmittelbar zur Geschichte gehören, er kann ein persönlicher Kommentar sein oder eine Frage an dein Gegenüber. Also:  „Petra ist hinterher gerannt, und mit den anderen war den ganzen Abend lang nichts mehr anzufangen.“ Oder: „Ich habe mich furchtbar geschämt und mich gleich verabschiedet.“ Oder: „Was hättest du in meiner Situation gemacht?“ Schieb keine Erklärungen mehr nach, sondern lass Raum für Kommentare oder Fragen oder sonstige Reaktionen.

Autor: Roswitha Menke

Roswitha ist im richtigen Leben Texterin, Erzählerin, Trau-Frau. Wenn du wirkungsvolle Worte für deine PR-Arbeit und Werbung suchst, bist du bei ihr richtig. Auch wenn du für deine Konferenz oder dein Fest jemanden suchst, der ungewöhnliche Geschichten mitreißend erzählt, ist sie die Richtige. Sie leitet außerdem Trau- und Abschiedszeremonien - herzlich und einfühlsam. Mehr über ihr Angebot findest du auf www.roswithamenke.de.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s