Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten

Moderationsmagie

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Wenn ich ein Erzählprogramm, einen Vortrag oder eine Moderations vorbereite, verwende ich relativ viel Zeit auf das Drumherum. Was sage ich zwischen zwei Geschichten oder zwei wesentlichen inhaltlichen Punkten und vor allen Dingen: Was sage ich VOR der ersten Geschichte?

Meine Zuhörerinnen und Zuhörer stecken doch noch in ihrem Alltag und wollen (oder sollen) hinhören, abtauchen in eine andere Welt. Ich will diesen Übergang ganz sanft gestalten und spreche erst einmal in einem leichten Gesprächston über Alltägliches …

… über die farbig gestrichenen Wände in meiner Wohnung und darüber, dass ich jeden „neuen“ Besucher stolz und glücklich durch die bunten Räume führe. Vielleicht kennen die Zuhörer das ja und haben ebenfalls viel Spass daran, anderen ihre Wohnung oder sonst eine Neuerwerbung zu zeigen. Das ist ja nicht neu. Vor zweitausendfünfhundert Jahren hat man das schon gemacht. Da lebte auf der Insel Samos, im östlichen Mittelmeer …

Schwupps, sind wir mitten in der Geschichte von Polykrates. Während ich diese Sätze sage, passiert etwas Merkwürdiges. Am Anfang flackern die Augen meiner Zuhörer, die Gesichter sind lebendig, es scheint, sie erinnern sich lebhaft an all die Situationen, in denen sie selbst anderen etwas gezeigt haben, stolz waren. Beim „Das ist ja nicht neu“ merken sie kurz auf, und von da an scheinen die Augen nach innen zu wandern. Denn dort, irgendwo auf einer im Innern des Kopfes angebrachten Leinwand, da läuft jetzt ein Film.

Jede Zuhörerin, jeder Zuhörer hat eigene Bilder, und wenn alles klappt, dann bleiben sie bis zum Schluss in ihrem Film. Dabei sehen sie natürlich meine Handbewegungen, verfolgen meine Schritte, hören meine Stimme. Sie verstehen ein Wortspiel oder einen Witz, sie erschrecken, wenn ich mit dem Fuß aufstampfe, sie spüren, wenn ich ihnen in die Augen schaue.

Umkehrt klinke ich mich in die Stimmung meines Publikums ein und erspüre, ob sie mehr Aktion, mehr Gefühl, mehr Beschreibungen hätten. So kann ich meine Geschichte anpassen.

Diese Magie funktioniert auch im Alltag: Du sprichst mit deinen Mitarbeitern oder Kunden, mit deinen Kindern oder der Nachbarin und plötzlich merkst du, dass jetzt eine Geschichte „dran“ ist. Dann such einen Einstiegspunkt in die Geschichte, der möglichst nahe bei dem liegt, worüber ihr gerade sprecht. Hol dein Gegenüber bei seinen augenblicklichen Gedanken ab und begleite die Menschen sanft in deine Geschichte hinein. Während du erzählst, geh auf die feinen Reaktionen ein – so gestaltest du die Geschichte zusammen mit deinen Zuhörern, und sie wirkt und wirkt und wirkt.

Autor: Roswitha Menke

Roswitha ist im richtigen Leben Texterin, Erzählerin, Trau-Frau. Wenn du wirkungsvolle Worte für deine PR-Arbeit und Werbung suchst, bist du bei ihr richtig. Auch wenn du für deine Konferenz oder dein Fest jemanden suchst, der ungewöhnliche Geschichten mitreißend erzählt, ist sie die Richtige. Sie leitet außerdem Trau- und Abschiedszeremonien - herzlich und einfühlsam. Mehr über ihr Angebot findest du auf www.roswithamenke.de.

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