Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten

Kalevala – Liebeserklärung an ein merk-würdiges Buch

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Seit mir im Jahr 2003 das Bestimmungsbuch „Die Nixen von Estland“ in die Hände fiel, bin ich verfallen! Man sagt, man sähe es mir nicht an, und ich danke brav fürs Kompliment. Verfallen aber bin ich … der Illustratorin und Zeichnerin Kat Menschik. Schon im Nixenbuch haben mich ihre Illustrationen geradezu weggepustet in ein wässriges, haariges, na ja, nixiges Traumland. 2009 sorgte sie dann dafür, dass die Bilder aus Murakamis Schlaf nicht nur in meinem Kopf, sondern auch vor meinen Augen erschienen und ich irgendwie nicht mehr ins Bett gehen wollte.

Seit ein paar Tagen nun: Kalevala, eine Sage aus dem Norden, nacherzählt von Tilman Spreckelsen, mit Illustration von, ja sicher, Kat Menschik. Der Adler auf dem Titel hat mich so eindringlich angesehen, dass ich gar nicht umhin konnte, das Buch zu kaufen. Zum Glück war das Wetter schlecht genug, um ohne Gewissensbisse drinnen zu bleiben, zu lesen, Bilder zu betrachten.

Kalevala

Ich folge dem Ich-Erzähler auf seiner Spurensuche nach einem Dichter, von dem ich bisher noch nie gehört hatte: Elias Lönnrot, dem sog. zweiten Vater der finnischen Sprache, dem, der im 19. Jahrhundert die finnische Volksdichtung aufschrieb und das finnische Nationalepos Kalevala verfasste. Immer wieder unterbricht der Erzähler den Bericht über seine Suche und seine Erlebnisse auf den Spuren Lönnrots, um die Kalevala nachzuerzählen.

Da wird im Norden wie im Süden Finnlands gelogen, gezaubert, gekämpft was das Zeug hält – um reich zu werden, um die Tochter einer Hexe zu freien, um einen Sohn wieder zum Leben zu erwecken. Übermenschliche Kräfte ringen miteinander, Gliedmaßen reißen ab, so viel Blut fließt, dass das bisschen Schweiß gar nicht auffällt.

Nicht nur die Geschichte fesselt mich, das Fremdartige, das Hin und Her, das es schwer macht, für einen der Helden Partei zu ergreifen. Nicht nur die Zeichnungen lassen mich immer wieder innehalten, um mir die Szenerie genau vorzustellen. Auch die Sprache hat ihren Reiz. Die Figuren sprechen nämlich mehr oder weniger so wie du und ich:

Dass ich dir Grobian eine Tochter gegeben habe, war der schlimmste Fehler meines Lebens, sagte Louhi. Glaubst du im Ernst, ich erlaube dir, die andere auch noch ins frühe Grab zu bringen? Lieber sähe ich sie zwischen den Kiefern des Riesenhechts im Totenfluss.
Und wie soll das gehen, Louhi? sagte Ilmarinen, da ich den Fisch doch längst für dich geangelt habe, falls du dich erinnerst. Weißt du was, ich frage sie einfach selbst. (S. 149)

Am Ende wird der große Kämpfer und Zauberer Väinämöinen nicht mehr gebraucht und fährt mit dem Schiff fort. Marjatta aber bekommt ein Kind, und die Geschichte seiner Geburt klingt fast wie die Weihnachtsgeschichte. Kurz und gut: Kalevala macht Lust auf mehr und Meer.

Kalevala, Verlag Galiani Berlin, ISBN 978-3-86971-099-0

Autor: Roswitha Menke

Roswitha ist im richtigen Leben Texterin, Erzählerin, Trau-Frau. Wenn du wirkungsvolle Worte für deine PR-Arbeit und Werbung suchst, bist du bei ihr richtig. Auch wenn du für deine Konferenz oder dein Fest jemanden suchst, der ungewöhnliche Geschichten mitreißend erzählt, ist sie die Richtige. Sie leitet außerdem Trau- und Abschiedszeremonien - herzlich und einfühlsam. Mehr über ihr Angebot findest du auf www.roswithamenke.de.

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