Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten

Pssst – und du bekommst, was du willst

5 Kommentare

Jean Giraudoux«Wer seinen Willen durchsetzen will, muss leise sprechen.»
(Jean Giraudoux, frz. Schriftsteller, *1882, +1944)

Vor langer, langer Zeit habe ich versucht, Klarinette zu spielen. Mein Lehrer liebte leidenschaftlich die schönen Töne. Nicht nur treffen sollte ich den Ton, und zur rechten Zeit die Finger bewegen, um zum nächsten zu wechseln. Nein, vom ersten Moment, da ich versuchte, die Lippen so zu spannen, dass das Instrument einen Laut von sich gab, sollte der Ton auch schön klingen. Nicht die Melodie war wichtig, sondern das bewusste An- und Abschwellen des Tons. Das Forte durfte nicht kieksen, das Pianissimo nicht brummen. Ein ganz, ganz leiser Ton sollte so rein und leicht sein, dass er dennoch bis ans Ende eines großen Saals würde fliegen können. Gut, dass des Lehrers Stübchen klein war – da hatten meine leisen Töne nur einen kurzen Weg!

Seit ich Geschichten erzähle, erinnere ich mich oft an diese Übungen. Jetzt ist meine Stimme mein Instrument, und ich spüre an meinen Zuhörerinnen und Zuhörern, ob und wie die Töne bei ihnen ankommen. Ich habe auch heute wieder einen Lehrer, und der ist genau wie der Klarinettenlehrer in schöne Töne verliebt. Kann man «leise» lernen? Probier es aus:

  • Ich stelle mir vor, dass mein ganzes Ich ein durchlässiger Resonanzkörper ist. Die Stimme kommt nicht nur aus der Kehle oder der Brust, sondern quasi aus dem kleinen Zeh
  • Ich stelle mir vor allem vor, dass meine Kehle ganz offen ist. Leise Sprechen ist nämlich nicht Flüstern (und Flüstern ist verd… anstrengend; tu dir das nicht an)
  • Ich schaue meinen Tönen nach und spreche erst weiter, wenn sie in der letzten Reihe angekommen sind

Und was bringt’s? Tatsächlich mögen Menschen leise Töne. Augen öffnen sich weiter, Köpfe schieben sich vor, Hände spannen sich an. Meine leisen Sätze dringen in die Ohren und in die Herzen, und wenn ich wieder auf normale Lautstärke wechsle, scheint es, als entspannten sich meine Zuhörer, als hätten sie gerade einen Schluck guten Rotweins gekostet.

Ich bin sicher, dass Herr Giraudoux Recht hat: Wenn du deinen Willen durchsetzen willst, sprich leise.

Autor: Roswitha Menke

Roswitha ist im richtigen Leben Texterin, Erzählerin, Trau-Frau. Wenn du wirkungsvolle Worte für deine PR-Arbeit und Werbung suchst, bist du bei ihr richtig. Auch wenn du für deine Konferenz oder dein Fest jemanden suchst, der ungewöhnliche Geschichten mitreißend erzählt, ist sie die Richtige. Sie leitet außerdem Trau- und Abschiedszeremonien - herzlich und einfühlsam. Mehr über ihr Angebot findest du auf www.roswithamenke.de.

5 Kommentare zu “Pssst – und du bekommst, was du willst

  1. Probier ich mal aus. Schön, dein Text!

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  2. Danke 🙂 und viel Erfolg!

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    • Danke!
      PS: Guck mal bei mir drüben, da wartet etwas auf dich: ein Stöckchen, falls du magst!
      Liebe Grüsse, Sofasophia

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      • Liebe Sofasophia
        Danke für den Hinweis. Ich sehe, Stöckchen sind dazu da, weitergeworfen zu werden. So wird das Netz größer, man und frau generieren unter Umständen frische Follower, machen auf sich aufmerksam. Und … nein … ich bin kein Hündchen, das dem Stock nachrennt, ihn bringt, sich loben lässt.
        Wenn ich selbst Stöckchen werfe, dann dem Hund einer guten Freundin – der braucht sogar immer zwei, weil der Stöckchen 1 erst loslässt, wenn er sicher ist, dass Stöckchen 2 geworfen wird. Aber das spielt sich alles an der frischen Luft im richtigen Leben ab. Hier möchte ich niemanden mit Stöckchen bewerfen oder per Stöckchenwurf zum Spielen einladen.
        Darum lasse ich das Stöckchen liegen und schreibe weiter über die Dinge, über die ich schreiben möchte, und dann, wenn ich drüber schreiben will.
        Liebe Grüße, Roswitha

        Gefällt 1 Person

      • Kein Problem. Das kannst du – war einfach so eine Idee …
        Ich bin ja auch jedes Mal beim Stockspiel hin- und hergerissen. Aber es macht auch immer Spaß, sonst würde ich das Stöckchen liegen lassen, das mich eher an Staffettenläufe denn an Hunde denken lässt …
        Viel Spaß beim Schreiben 🙂

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