Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten

Stāsti krēslā – Geschichten in der Dämmerung. Teil 4

Hinterlasse einen Kommentar

Meine Reise zum Erzählfestival nach Valmiera, 6. bis 9. Oktober 2016

Kinder

Am Freitagmorgen geben wir in der Bibliothek (http://www.biblioteka.valmiera.lv/lv) offiziell Bescheid, dass wir da sind. Dann brechen Guntis und ich auf zu einer Gesamtschule. Die meisten Kinder, erzählt die Direktorin stolz, machen an dieser Schule das Abitur und studieren dann. Unser Publikum in der kleinen Schulbibliothek besteht aus zwei Klassen: Die Jungen und Mädchen der 4. Klasse tragen einheitliche T-Shirts und/oder Fleecejacken mit dem Schullogo. Bis zur 5. Klasse ist die Uniform Pflicht. Die Siebtklässler sind demzufolge ebenso bunt und unterschiedlich angezogen wie bei uns. Sie lernen Deutsch als 2. Fremdsprache.

img_0253

Mit Kamishi-Bai, vielen Gesten und Guntis‘ Übersetzung  bringe ich den Kindern die Geschichten von Wind und Apfelbaum (ja, ja, bei Goldmund ist es ein Olivenbäumchen!) und vom neugierigen Mädchen (eine amerikanische Variante der Grimm’schen Frau Trude) nahe. Ohne Bilder erzähle ich noch den Zauberlehrling. Ein bisschen irritierend ist es schon, dass Guntis seine Übersetzung stets mit der Aufforderung „Applaus!“ beendet. Doch die Kommentare und Gesten der Kinder signalisieren mir, dass es ihnen gefallen hat. Ich solle wiederkommen, findet die Direktorin. Das finde ich nett.

img_0261

In der Stadtbibliothek finden an diesem Tag noch zwei Erzählveranstaltungen statt, an denen Kinder auch AUF der Bühne beteiligt sind. Einmal geht es um Geschichten aus Valmiera: In diesem Projekt werden Kinder zwischen ca. 7 und 17 aufgefordert, ihre Eltern, Großeltern, Nachbarn usw. nach Erlebnissen aus Kindheit und Jugendzeit zu befragen und diese Geschichten niederzuschreiben. Elf Kinder und Jugendliche geben ihre Geschichten an diesem Nachmittag zum Besten. Wir hören vom Großvater, der als einen Ersatz für seinen toten Hund gesucht hat und leider nicht die Gunst der Wolfswelpen im Wald gewinnen konnte, wir hören Geschichten aus der Zeit in russischen Kolchosen, wir hören, wie sich Eltern ineinander verliebt haben. Ich höre immer doppelt: Die lettischen Erzählungen von vorn, die ich nicht verstehe, und – je nach Sitznachbar – eine englische oder deutsche Simultanzusammenfassung. Leute, das ist anstrengend!

Am Nachmittag gibt es noch einen Erzählwettbewerb. Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich bei Erzählwettbewerben ihrer Schulen durchgesetzt und kämpfen jetzt um einen Platz im nächst-höheren Wettbewerb. Jedes Kind hat fünf Minuten Zeit, um ein Märchen, eine Alltagsgeschichte und einen Witz zu erzählen. Ich verzichte aufs Übersetzen und beschränke mich aufs Lauschen und Schauen. Da wachsen Talente heran.  (https://commonstoriesofeurope.files.wordpress.com/2012/12/pakalns_storytelling_latvia_2011.pdf, Seite 3).

In beiden Projekten steckt meiner Meinung nach viel Potenzial. Es würde sich lohnen, hier ein wenig „abzugucken“ und zu schauen, ob, wie und wo sich solche Projekte auch im deutschsprachigen Raum verwirklichen lassen.

sanda_erzahlt

Am Samstagvormittag erzählen drei Erzählerinnen (Inguna Radziņa, Inga Brūvere und Sanda Salmiņa) für die Kleinsten (http://www.valmiera.lv/lv/galerijas/621_ii_vidzemes_stastnieku_festivala_2diena/). Hier kommen allerlei Requisiten und Puppen zum Einsatz und die kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer werden intensiv am Erzählgeschehen beteiligt. Beeindruckend fand ich, dass die drei Frau, die aus ganz unterschiedlichen Ecken Lettlands kommen, ein ausgeklügeltes Programm auf die Beine gestellt haben: Die Geschichten griffen ineinander, und ich musste leider gehen, bevor aus der Puppe, die sich an die Tür gehängt hatte, um sich in Ruhe verwandeln zu können, schließlich ein Schmetterling wurde. Darum habe ich auch keinen Wäscheklammerschmetterling basteln können – die Kinder schon.

Autor: Roswitha Menke

Roswitha ist im richtigen Leben Texterin, Erzählerin, Trau-Frau. Wenn du wirkungsvolle Worte für deine PR-Arbeit und Werbung suchst, bist du bei ihr richtig. Auch wenn du für deine Konferenz oder dein Fest jemanden suchst, der ungewöhnliche Geschichten mitreißend erzählt, ist sie die Richtige. Sie leitet außerdem Trau- und Abschiedszeremonien - herzlich und einfühlsam. Mehr über ihr Angebot findest du auf www.roswithamenke.de.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s