Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten

Unschuldige Geschichten?

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Als ich im September 2009 das Erzählen lernen wollte, war schnell klar: Kurse, in denen ich lernen sollte, mit Geschichten zu lehren oder gar zu heilen, schieden aus. Ich wollte unterhalten. Punkt. Der Lehrer meiner Wahl versprach: Nach unserem Lehrgang kannst du das Telefonbuch spannend erzählen. Das wollte ich!

Dann kam der Abschlussabend der Erzählausbildung am 6. Mai 2010: Ich erzählte (m)eine Geschichte auf Basis der Ballade „Nis Randers“ von Otto Ernst und beobachtete fasziniert, dass Leute nach ihren Taschentüchern kramten. Hoppla! Meine Geschichte hatte nicht nur unterhalten – sie hatte berührt. Darauf war ich stolz. Denn wenn ich ganz ehrlich war, hatte mich eine berührende Geschichte, erzählt von Mary Alice Arthur überhaupt zum Erzählen gebracht.

Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen
(Jorge Bucay)

Geschichten können nicht nicht wirken

Welche Geschichten wähle ich aus, wenn ich ein Erzählprogramm zusammenstelle? Solche, die mich berühren, die mir sagen: „Erzähl mich!“ Die Geschichten wirken auf mich, und oft sehe ich, dass sie auch auf das Publikum wirken. Menschen schmunzeln, lachen, runzeln die Stirn, wischen sich eine Träne ab. Oft erzählen sie mir später, dass eine Geschichte sie an ein Erlebnis erinnert hat, oder sie teilen eine Meinung oder gar eine Erkenntnis. Manche erzählen es mir gleich, andere kommen Jahre später auf etwas zurück, das von mir gehört haben. Manche erzählen gar nichts.

Mein Wunsch, „nur“ zu unterhalten, ist nicht in Erfüllung gegangen. Die Diskussion im Open Forum bei der Konferenz Beyond Storytelling (und die Wiederbegegnung mit Mary Alice) am letzten Wochenende haben es mir wieder klar vor Augen geführt:

  1. Die Geschichte „in aller Unschuld“ gibt es nicht. Sie wirkt immer
  2. Ich habe keinen Einfluss darauf, ob und wie eine Geschichte bei Zuhörerinnen und Zuhörern wirkt

Geschichten hören

Das Gleiche gilt beim Hinhören. Ob eine Kollegin auf der Bühne erzählt, ob wir im Erzählcafé über unser Leben plaudern, ob ich in einem Halbsatz erfahre, dass ein lieber Freund seinen langjährigen Begleiter in den Hundehimmel entlassen musste, oder ob mir der Kunde eines Kunden erläutert, warum seine Firma sich ausgerechnet für diese Simulationssoftware entschieden hat – jede Geschichte wirkt auf mich. Höre ich genau das, was mein Gegenüber rüberbringen wollte? Nehme ich etwas anderes oder viel mehr oder viel weniger wahr (= als wahr annehme) als das, was gesagt wird? Keine Ahnung!

Was heißt das, auch für dein Erzählen?

  1. Wenn ich eine Absicht habe (ja, das kommt vor!), muss ich mir darüber vollkommen im Klaren sein. Vor allem darf ich nicht so tun, als hätte ich keine
  2. Oft wird ein Erzählabend dann richtig spannend, wenn die Interaktion (die ja auch während der „Performance“ stattfindet) im Gespräch hörbar wird
  3. Auch wenn du kein Erzählkünstler bist, erzählst du Geschichten über deine Arbeit, deine Familie, deine Hoffnungen, deine Träume, deine Ängste. Auch diese Geschichten wirken, und es ist gut, hin und wieder nachzufragen, wie sie wirken
  4. Wenn du Geschichten hörst und spürst, dass sie bei dir etwas auslösen, lass es die Person wissen, die sie dir erzählt hat. Und freu dich auf neue Erkenntnisse
  5. Vor allem aber: Erzähle. Und hör hin.

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Autor: Roswitha Menke

Roswitha ist im richtigen Leben Texterin, Erzählerin, Trau-Frau. Wenn du wirkungsvolle Worte für deine PR-Arbeit und Werbung suchst, bist du bei ihr richtig. Auch wenn du für deine Konferenz oder dein Fest jemanden suchst, der ungewöhnliche Geschichten mitreißend erzählt, ist sie die Richtige. Sie leitet außerdem Trau- und Abschiedszeremonien - herzlich und einfühlsam. Mehr über ihr Angebot findest du auf www.roswithamenke.de.

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