Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


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Erich Wyss übt den freien Fall. Oder warum Robert Voss irrte

Robert Voss, mein alter Deutschlehrer, war ganz sicher: „Ein Schriftsteller, der jedes Jahr einen Roman veröffentlicht, kann unmöglich gute Literatur produzieren.“ Ich glaube,  ich war schon damals sicher, dass das eine unzulässige Verallgemeinerung war. Es kommt doch auch darauf an, wann und wie der Roman entsteht. Und bei Erich Wyss war eben alles ziemlich besonders… Aber fangen wir vorn an:

Zum ersten Mal habe ich von dem Projekt im Herbst 2015 gehört: Tim Krohn las in der Buchhandlung Haupt in Bern aus „Nachts in Vals“ und erzählte dann von seinem uralten Haus im Val Müstair, dass seine gehbehinderte Mutter dort mit einziehen sollte, aber – eben wegen der Gehbehinderung – ein ebenerdiges Bad gebraucht habe. Tim beschloss, seine umfassende Sammlung „menschlicher Regungen“ in ein Crowdfunding-Projekt einzubringen. Das Konzept schaust du dir am besten auch auf der Projektseite „menschliche-regungen.ch“ an – da erklärt Tim es selbst. Besser, als ich es kann.

Sein Verleger war begeistert genug, um eine Buchreihe zu planen, die im Frühjahr 2017 mit dem Band „Herr Brechbühl sucht eine Katze“ startete. Schon ein halbes Jahr später erschien der zweite Band „Erich Wyss übt den freien Fall“. Im Sinne meines alten Deutschlehrers konnte das also gar keine echte Literatur sein. Ich bin immer noch anderer Meinung. Schließlich hatte ich den „Herrn Brechbühl“ gleich nach dem Erscheinen verschlungen. Warum? Weil ich die Geschichten mag, weil mich die Menschen in dem Genossenschaftshaus interessieren und weil ich die Sprache mag – trocken, klar, echt. Am liebsten habe ich die Geschichten über Kinder, ganz junge und ganz alte Leute.

Meine Bestellung für „Erich Wyss“, also den zweiten Band, hatte ich abgeschickt, sobald es möglich war. Tim Krohn hat auch schon meine Bestellung für Band Nummer 3 „Julia Sommer sät aus“.

Und jetzt kommt der Knackpunkt: Pünktlich zu Weihnachten (2017) schreibt Tim Krohn in seinem Newsletter, dass sich der „Erich Wyss“ nicht so gut verkaufe wie geplant und dass der Verlag aus wirtschaftlichen Gründen davon absehe, das Projekt weiterzuführen. Seufz. Ich kann rechnen, und ich kann Pressearbeit. Darum verstehe ich den Verlag, und darum verstehe ich auch die Redakteurinnen und Redakteure, die die Geschichte vom Crowdfunding nicht alle sechs Monate neu erzählen möchten.

Gleichzeitig möchte ich aber die Geschichten über Hubert Brechbühl, Erich Wyss, Julia und Mona Sommer, Selina, Moritz und Co. unbedingt weiterlesen. Es liegt nun also am Schwarm der Brechbühl-Wyss-Sommer-Fans, die ebenfalls weiterlesen möchten:

Wenn jeder von uns noch zwei Bücher kauft und verschenkt und den Beschenkten die verrückte Geschichte der menschlichen Regungen und des ebenerdigen Bads erzählt und mindestens eine/n der Beschenkten dazu bringt, das Gleiche zu tun … dann kommt der Verlag Galiani wohl gar nicht drum herum, im Frühjahr oder spätestens im Sommer 2018 auch „Julia Sommer“ in die Welt zu schicken. Und die Presse hätte eine neue Geschichte zu erzählen: von Leserinnen und Lesern, die dafür sorgen, dass eine Romanreihe im Halbjahresrhythmus – mit Gewinn für alle – erscheinen kann.

Und Robert Voss, mein alter Deutschlehrer, wäre platt!


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Zeitreisen. Vor und zurück.

BruderKlaus

Wilhelm Busch: Der unsichtbare Schäfer

Es riefen mal drei Zwerge
Vor einem hohlen Berge:
»Vater Klaus, Vater Klaus,
Wirf Hütchen heraus!«
Und eins, zwei, drei im selben Nu
Fliegt jedem Zwerg ein Hütchen zu.

Für mein Erzählprogramm „Balladensch(w)atz“ ist aus „Vater Klaus“ „Bruder Klaus“ geworden, weil ich im Wallis so manchem Bruder-Klaus-Kapellchen über den Weg gelaufen bin. Wenn man das üerhaupt so sagen kann – schließlich stehen die Kapellchen am Weg, und manchmal sogar auch ein bisschen versteckt. Als ich letztens in der Kirche in Ernen war, stand Bruder Klaus schon dort, mit seinem Stab und der Gebetskette, und schaute an mir vorbei. Aufgefallen ist er mir trotzdem. Nur, seine Einladung hatte ich immer noch nicht angenommen.

Dazu musste ich erst auf dem Rückweg von München nach Obergerlafingen Pause in St. Gallen machen. Trotz 23 Jahren in der Schweiz war ich zum ersten Mal dort. Bruder Klaus war da auch in einem Pavillon aus Holz, Stahl, Stoff – für zwei Tage bloß, als habe er auf mich gewartet!

Meine Neugier war geweckt. Als ein leiser Gong ertönt, betrete ich den Pavillon und komme in die erste aus drei dünnen grauen Vorhängen und einer Holzwand bestehenden Kammer. Ich setze mich auf den Stuhl. Noch lassen sich schemenhaft die Vorgänge auf dem Platz erkennen, ich höre nicht nur, was draußen gesprochen wird, ich verstehe es auch. Doch schon bin ich ein bisschen entrückt.

Nach dem nächsten Gong geht es durch einen Schlitz im Vorhang in die nächste Kammer. Der Stuhl „schaut“ zur anderen Seite. Die Stimmen von draußen werden leiser. Gedanken kommen. Wie lebe ich? Wie hat Nikolaus von Flüe gelebt, auf den ich noch treffen werde? Wie werden die Menschen leben, wenn sie in 100 Jahren die Kugel öffnen und die Texte aus alter Zeit lesen werden?

Gong. Dritte Kammer. Der Stuhl steht so wie der erste. Nach kurzer Zeit tritt leise eine Frau mit einem großen Korb ein. Tasche, Schmuck, Schuhe wandern hinein. Unbelastet von allem scheinbar Notwendigen soll ich reisen. Draußen beginnt es zu regnen. Hat Nikolaus von Flüe den Regen auch so gehört? Oder klang Regen damals anders? Bis zum nächsten Gong reist mein Geist 600 Jahre lang rückwärts, 100 Jahre lang vorwärts. Wie war das? Wie wird das sein? Wie wäre es, tatsächlich einen Blick werfen zu können.

Die Holzwand in der vierten Kammer ist anscheinend eine Tür. Im oberen Drittel ist eine Schlaufe aus weißem Gurtband befestigt. Tatsächlich tritt von der Seite eine Frau ein, öffnet die Tür und lässt mich in einen mit dunklem Teppichboden vollständig ausgekleideten Raum eintreten. Da steht er, aus Holz geschnitzt, auf einem Sockel. Wenn er wirklich so ausgesehen hat, hat man früher vielleicht gesagt, sein Gesicht sehe aus wie aus Holz geschnitzt. Er schaut mich nicht an, lässt sich betrachten. Wir sind beide nicht mehr in der Zeit. Ich könnte noch lange so stehen. Der Gong ertönt zu bald, die Tür öffnet sich. Die Begegnung ist vorbei.

Eine Stoffkammer, ein Stuhl, der Korb mit meinen Sachen.

Vier kleine Zellen. Ich darf mir eine aussuchen. Ein Stuhl, ein Tisch, auf dem Tisch ein DIN-A5-Block, ein Bleistift. Ich darf schreiben, so lange ich will. Mit dem letzten Strich wird der Lärm von draußen anscheinend wieder lauter. Es regnet noch immer. Mein Papier fällt in die kupferne Kugel. 100 Jahre sollst du schlafen! Ob die Spuren unserer Bleistifte auf dem Papier dann noch zu entziffern sind? Ob noch jemand unsere Handschriften lesen kann? Ob es jemanden interessiert?

Ein bisschen orientierungslos gehe ich durch den Regen. Weil ich zum ersten Mal in St. Gallen bin? Oder weil ich gerade von einer langen Zeitreise zurückkomme?

Nikolaus reist gerade durch die Schweiz. Wenn er bei dir vorbeikommt, besuch ihn doch mal. Oder reise ganz absichtsvoll hin. Es lohnt sich: http://www.mehr-ranft.ch/projekte/niklaus-von-fluee-unterwegs/

 


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Trau-Frau. Momente (m)eines Traumberufs.

Gegen Ende der letzten Hochzeitssaison bat Traumich-Gründer Mike Bucher (www.traumich.ch und www.traumich.de) uns, über einen einzigen, besonderen, berührenden Moment der Hochzeiten der vergangenen Saison zu schreiben. Kurz, bitte. Einen einzigen, besonderen Moment aus allen Hochzeiten herauspicken? Nein, da weigere ich mich!

Jede Zeremonie hat ihre berührenden, einzigartigen Momente. Da drückt die Brautmutter ihrem Schwiegersohn vor der Zeremonie ein Eisspray in die Hand, damit die Ringe sich an dem glutheißen Tag tatsächlich auf die Finger schieben lassen. Da reckt der Bräutigam beim Rauslaufen die Faust hoch, als habe er den größten aller Siege errungen. Da hebt das Kind der werdenden Eheleute beim Klang der Musik strahlend das Köpfchen und beginnt zu „dirigieren“. Da wischt die Braut ihrem Mann nach dem Kuss als erstes den Lippenstift ab. Oder ich muss die Zeremonie wegen Regen unterbrechen und die Gäste einladen, samt Stuhl in den Saal umzuziehen. Oder die Sängerin hört auf zu singen, weil die Tränen der Braut sie selbst rühren. Oder die Braut überreicht ihrem Liebsten beim Eheversprechen ein Cupcake und fragt die Gäste: „Habt ihr das Strahlen in seinen Augen gesehen?“ … Es hört nicht auf! Und ganz ehrlich: Bei jedem „Du bist mein bester Freund. Ich liebe dich.“ stehen mir noch immer die Tränen in den Augen.

Mich überwältigt das große Vertrauen, das die Paare mir entgegen bringen. Ich bin für sie eine Fremde, doch geben sie mir ganz tiefe Einblicke in ihr Leben … nach nur wenigen Stunden. Viele berührende Augenblicke erlebe ich schon in den Vorgesprächen.

Tja, und dann die Gäste … Gäste, die nach der Zeremonie zu mir kommen und sagen, dies sei das erste Mal gewesen, dass sie bei einer Hochzeit wirklich zugehört hätten. Oder: Dies sei die schönste Hochzeit, die sie je erlebt hätten.

Freie Trauungen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sich das Ja-Wort geben. Für mich und das Traumich-Team beginnt jetzt die Hauptsaison. Ich freue mich auf neue Bilder, neue Begegnungen, neue Erlebnisse. Trau-Frau ist ein Traumberuf. Mein Herz ist in den letzten zweieinhalb Jahren ein Stück gewachsen.

*Beitragsbild und Bilder 3-7: hochzeitsfotograf-ag.ch;
Bilder 8-10: Julie Wagner, bywagner.com;
Bilder 1-2: Ioannis Kaltirimtzis


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Einladung zum Lauschen

Drei (oder mehr) Berufe zu haben, ist toll. Mein Leben ist ein Tanz zwischen Technik und Mythen, zwischen Klausur am Schreibtisch und persönlichen, intensiven Kontakten, zwischen Organisieren und mich-Einlassen.

Klar, bringt mich das manchmal ins Schwitzen. Das ist auch gut so.

Im Augenblick tanze ich gerade mit der Kunst und freue mich, mein Märchenprogramm Russenkuss zu präsentieren. Ein Stückchen davon habe ich schon meiner Webcam erzählt. Guck mal …

Wenn du alles hören willst, dann komm am

22. Juni um 20 Uhr
ins Chapeau St. Georg, Lange Reihe 94, Hamburg

Deinen Platz reservierst du am besten per E-Mail, SMS oder Anruf (0172 211 94 82)

Bis bald!!!


Ein Kommentar

Zaubertüechli???

Eitelkeit und Faulheit – das ist eine teure Kombination. Und sie macht empfänglich für Geschichten. Genauer: Ich bin eitel genug, um die „sichtbaren Zeichen der Hautalterung“ in meinem Gesicht lästig zu finden. Und ich bin seit jeher zu faul, um mit Reinigungsmitteln, Tages-, Augen-, Nachtcremes, Peelings, Masken, Seren, Make-up usw. meine Haut an altersgemäßen Veränderungen zu hindern zu suchen oder diese Veränderungen geschickt zu vertuschen. Versuche dieser Art endeten meist mit Entsorgung halb geleerter, eingetrockneter Make-up-Tiegelchen oder sobald das erste Set der wärmstens angepriesenen, teuer erworbenen Kosmetikserie aufgebraucht war.

Dann kam der 13. Mai, es war also vor fast drei Wochen, als ich bei der Hausmesse der STARK-Ladys ausstellte. Mir gegenüber war der Stand, an dem ein sehr gepflegtes, ziemlich faltenfreies Ehepaar die Zaubertüechli eines Schweizer Herstellers präsentierte. Als die Besucherströme abebbten, ließ ich mir die Geschichte erzählen.

Der Schaffhauser Tüechli-Produzent hat eine Methode gefunden, getrocknete Wirkstoffe, die die Haut feucht, pickelfrei oder jung machen, in ein Tüchlein zu bannen. Feuchtet man das Tuch an und reibt mit der weichen Seite über Gesicht, Hals und Dekolletee (nicht vergessen!), wechseln die Wirkstoffe unmittelbar vom Tuch in die Haut. Das geht schneller und direkter als bei einer normalen Gesichtscreme, die zusammen mit den Wirkstoffen immer auch eine Art Trägersubstanz auf die Haut aufbringt, die zwar nötig ist, um die Wirkstoffe zusammenzuhalten, ihnen aber gleichzeitig das Eindringen in die und das Wirken in der Haut erschwert. Überdies sei die Reinigungswirkung des Tuchs gewaltig: Wenn man das Gesicht am Abend – und tatsächlich genüge eine Anwendung pro Tag – abreibe, sehe man den Schmutz, der sich über Tag auf der Haut abgelagert habe, ganz deutlich. Rosacea (hab ich nicht) verschwände damit innerhalb von zwei Wochen, Falten bräuchten etwas länger. Ihre eigenen Gesichter, so das Ehepaar, seien ja der beste Beweis. Allerdings hatten sie keine Beweisfotos aus der Zeit VOR den Zaubertüechli.

Brauchte ich auch nicht. Die Geschichte war gut genug, um meine Eitelkeit und Faulheit zu bedienen. Diese Tüechli musste ich haben. Es gab zur Erstbestellung der Monatspackung eine Wochenpackung gratis.

Ich benutze die Tüechli jetzt die dritte Woche – vielleicht zu früh, um nach Falten zu suchen, die weniger tief sind als am 13. Mai. Sicher ist: Das Tuch ist nach der Benutzung nicht grauer als vorher. Sollte die Luft in Neu-Allermöhe (West) und Umgebung so sauber sein?

Hast du Erfahrungen mit Zaubermitteln dieser Art? Erzähl’s mir und uns!


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Lesetipp: Lars Vollmer

Ich lese nicht so häufig Blogs und Kolumnen. Sorry! Manchmal lasse ich mich aber  verführen, und so bin ich irgendwann bei einem Sprach- und Gedankenverführer gelandet, bei Lars Vollmer. Diesen Beitrag hatte ich heute in meiner Mailbox … und ich teile ihn mit dem klaren Ziel, dich auch zum Lesen und Denken zu verführen.

Der letzte Satz des Beitrags lautet übrigens:

Der Komplexität gerecht werden, indem die Sprache präzise wird, ist eine Form des Erwachsenseins.

I like http://larsvollmer.com/planung-ist-fuer-kinder-ueber-die-macht-der-flutschbegriffe/


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Unschuldige Geschichten?

Als ich im September 2009 das Erzählen lernen wollte, war schnell klar: Kurse, in denen ich lernen sollte, mit Geschichten zu lehren oder gar zu heilen, schieden aus. Ich wollte unterhalten. Punkt. Der Lehrer meiner Wahl versprach: Nach unserem Lehrgang kannst du das Telefonbuch spannend erzählen. Das wollte ich!

Dann kam der Abschlussabend der Erzählausbildung am 6. Mai 2010: Ich erzählte (m)eine Geschichte auf Basis der Ballade „Nis Randers“ von Otto Ernst und beobachtete fasziniert, dass Leute nach ihren Taschentüchern kramten. Hoppla! Meine Geschichte hatte nicht nur unterhalten – sie hatte berührt. Darauf war ich stolz. Denn wenn ich ganz ehrlich war, hatte mich eine berührende Geschichte, erzählt von Mary Alice Arthur überhaupt zum Erzählen gebracht.

Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen
(Jorge Bucay)

Geschichten können nicht nicht wirken

Welche Geschichten wähle ich aus, wenn ich ein Erzählprogramm zusammenstelle? Solche, die mich berühren, die mir sagen: „Erzähl mich!“ Die Geschichten wirken auf mich, und oft sehe ich, dass sie auch auf das Publikum wirken. Menschen schmunzeln, lachen, runzeln die Stirn, wischen sich eine Träne ab. Oft erzählen sie mir später, dass eine Geschichte sie an ein Erlebnis erinnert hat, oder sie teilen eine Meinung oder gar eine Erkenntnis. Manche erzählen es mir gleich, andere kommen Jahre später auf etwas zurück, das von mir gehört haben. Manche erzählen gar nichts.

Mein Wunsch, „nur“ zu unterhalten, ist nicht in Erfüllung gegangen. Die Diskussion im Open Forum bei der Konferenz Beyond Storytelling (und die Wiederbegegnung mit Mary Alice) am letzten Wochenende haben es mir wieder klar vor Augen geführt:

  1. Die Geschichte „in aller Unschuld“ gibt es nicht. Sie wirkt immer
  2. Ich habe keinen Einfluss darauf, ob und wie eine Geschichte bei Zuhörerinnen und Zuhörern wirkt

Geschichten hören

Das Gleiche gilt beim Hinhören. Ob eine Kollegin auf der Bühne erzählt, ob wir im Erzählcafé über unser Leben plaudern, ob ich in einem Halbsatz erfahre, dass ein lieber Freund seinen langjährigen Begleiter in den Hundehimmel entlassen musste, oder ob mir der Kunde eines Kunden erläutert, warum seine Firma sich ausgerechnet für diese Simulationssoftware entschieden hat – jede Geschichte wirkt auf mich. Höre ich genau das, was mein Gegenüber rüberbringen wollte? Nehme ich etwas anderes oder viel mehr oder viel weniger wahr (= als wahr annehme) als das, was gesagt wird? Keine Ahnung!

Was heißt das, auch für dein Erzählen?

  1. Wenn ich eine Absicht habe (ja, das kommt vor!), muss ich mir darüber vollkommen im Klaren sein. Vor allem darf ich nicht so tun, als hätte ich keine
  2. Oft wird ein Erzählabend dann richtig spannend, wenn die Interaktion (die ja auch während der „Performance“ stattfindet) im Gespräch hörbar wird
  3. Auch wenn du kein Erzählkünstler bist, erzählst du Geschichten über deine Arbeit, deine Familie, deine Hoffnungen, deine Träume, deine Ängste. Auch diese Geschichten wirken, und es ist gut, hin und wieder nachzufragen, wie sie wirken
  4. Wenn du Geschichten hörst und spürst, dass sie bei dir etwas auslösen, lass es die Person wissen, die sie dir erzählt hat. Und freu dich auf neue Erkenntnisse
  5. Vor allem aber: Erzähle. Und hör hin.

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