Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


Ein Kommentar

Montagmorgengeschichte. Die Dreißigste.

Und wieder: Die Bahn. Und meine Intuition. Letzten Freitag habe ich nicht auf meine Intuition gehört (mal wieder!). Die Folge: Ich war eine gute halbe Stunde später als geplant dort, wo ich hin wollte – also kein Ding! Andere Menschen hören auf ihre Intuition und retten damit Leben. Das gibt mir zu denken und ich frage mich, wie ich besser auf mich hören kann.


2 Kommentare

Lauschen

Seit ich im «Bardic Handbook» diese Lauschübung gelesen habe, kann man mich immer wieder mal mit geschlossenen Augen irgendwo stehen oder sitzen sehen beim Versuch, alles zu «erhören», was um mich herum Laut gibt. Wenn man glaubt, es sei ganz still, dann ist da immer noch etwas, und wenn es das Blut ist, das in den Ohren rauscht.

An einem sonnigen Frühlingsnachmittag ist es wahrscheinlich nirgendwo still, aber das, was mich empfängt, als ich über die Deichkrone komme, das klingt richtig nach Lärm. Kein Meeresrauschen. Gänsegeschnatter. Ein Konzert, das alles zu übertönen scheint, dabei sind die Tiere noch ein paar hundert Meter entfernt.

20160319_123145

Wie ist es wohl, wenn man mitten unter ihnen ist? Ich gehe langsam auf die Tiere zu. Sie scheinen mich gar nicht zu beachten. Dann der Moment, wo ich wohl zu nahe bin. Die erste Gruppe flattert auf, die Schreie klingen anders, ein paar hundert Flügel setzen die Luft in rauschende Bewegung. Noch sechzehn Schritte, dann starten die nächsten. Ein Stück hinter mir lassen sie sich wieder nieder, nur wenige fliegen weiter weg.

Nein, «mitten unter sie» komme ich nicht, um ihrem Geplauder zu lauschen. Da ist ein magischer, gänseloser Kreis um mich herum. Aber außerhalb davon sind sie links und rechts von mir, vor, hinter, über mir.

Augen zu. Was höre ich noch? Neue Stimmen plötzlich. Dunkler, ruhiger, «gemach, gemach» scheinen sie zu rufen, legen einen Bassteppich unter das Schnattern. Augen auf, Augen hoch. Ein Schwanenpaar, elegant, fast gewaltig. Dann sind sie auch schon weg. Es war ihnen wohl zu laut.

Ich gehe auf die andere Seite des Deichs. Vogelstimmen treten aus dem Geschnatter hervor, die Sänger hingegen bleiben verborgen. Mein Augen schauen auf den Weg, mein Kopf stimmt das Kinderlied an: Heile, heile …

20160319_131011

… in hundert Jahr’n ist alles weg.