Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


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Montagmorgengeschichte. Die Vierunddreißigste.

Letzte Woche ist viel passiert; die Auswahl der Geschichte für den heutigen Morgen fällt mir schwer. Aus marketingtechnischen Gründen sollte ich erzählen, dass ich am Mittwoch und Donnerstag in de Gode Stuv in Radbruch bei Lüneburg meinen „Balladensch(w)atz“ erzähle. Aber passt das hierher? … Na klar, es geht doch drum, Brücken zu bauen. Oder etwa nicht?!

Wenn Märchen auf Poetry Slam treffen, geschieht etwas Merkwürdiges. Mir schien am letzten Samstag in Kulturrösterei in Lübeck der Slam poetischer als sonst, und die Märchen wirkten auf mich, als hätten sie sich ganz entschieden aufgemacht in die Moderne und würden – vielleicht – deutlicher als sonst zu uns sprechen. Die beiden Genres hatten einander und uns etwas zu sagen. Ich wünsche mir, dass das auch beim Storydinner in de Gode Stuv diese Woche passiert und dass die alten Balladen und meine daraus entstandenen Geschichten einander – und den Zuhörerinnen und Zuhörern – etwas zu sagen haben.


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Montagmorgen. Die Zehnte.

Das Paar, das ich am letzten Samstag getraut habe, hat statt eines Ja-Worts 18 (also zweimal neun) Gründe genannt, warum er sie und sie ihn lieben. Wunderschön!  Ich denke, es gibt mehr als neun gute Gründe, sich bei jeder Entscheidung über das „Warum“ klar zu werden. Dann braucht man später weniger zu bereuen ;).


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Zeit

Nur noch eine Woche. Keine Pläne an diesem Samstag, an diesem Sonntag, mich treiben lassen, schreiben. Zurückschauen auf zehn nördliche Wochen.

Auf frostige Tage, an denen der Weg durch den kalten Flur eine Mutprobe war. Auf einen Kühlschrank, in dem immer etwas fehlte, weil ich meine Einkäufe nicht geplant hatte. Vom Vorhandensein eines Einkaufszettels ganz zu schweigen. Auf die Enttäuschung, dass das Nolde Museum in Seebüll im Februar noch Winterschlaf hält. Auf frühe Stunden, als der Wind mich weckte, auf Sonnenaufgänge, die sich langsam meinem Schlaf-Wach-Rhythmus anpassten. Auf Windräder, die sich so lange in mein Blickfeld drängten, bis ich sie nicht mehr sah und hörte. Auf Menschen, die unerwartet in mein Leben getreten sind und es unermesslich bereichert haben. Auf Schneeglöckchen und Osterglocken, auf Weidenkätzchen und Forsythien. Auf Lämmchen, die zehn Minuten lang aussehen, als würden sie die Welt gleich wieder verlassen, aber dann … Auf den Nachmittag, an dem die Sonne warm genug war, die Gartenstühle aus dem Schuppen zu holen. Auf Farben und Formen, von den ich keine Ahnung hatte, dass sie existieren. Auf Klänge und Worte, die das Mehr nähren. Auf Gerüche, die tief vergrabene Erinnerungen aufsteigen lassen.

Nur noch eine Woche. Lauter letzte Male. Wenn man im Restaurant Seebüll beim Nolde Museum aus dem Fenster schaut, sieht man kein einziges Windrad. Kein. Einziges.

Nur weil ich letzte Male hasse, werde ich die Zeit nicht anhalten.

 


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Kannichnich, und …

Was Klavier- und Golfspielen gemeinsam haben? Na ja: Ich durfte die 50 (deutlich) überschreiten, um erst mit dem einen, dann mit dem anderen zu beginnen.

Klavier

Blöderweise bin ich in beiden Disziplinen alles andere als ein Naturtalent. Im Gegenteil. Und da ich nicht so viel Aufwand ins Üben stecke, wie ich vielleicht müsste, sind Fortschritte nur schwer auszumachen.

Noch vor zehn Jahren hätte ich Klavier und Golf ganz schnell in der Schublade «interessiert mich doch nicht» verstaut. Jetzt bleibe ich dran. Mehr noch: Es macht sogar Spaß! Der Dank dafür geht erst mal an meine geduldigen Lehrenden: Elisabeth, Alec, Sebastian geben mir nie das Gefühl zu versagen, weil ich nur langsam weiterkomme.

Ich muss ihnen nichts beweisen, dir, euch und Ihnen nichts und mir selbst schon gar nichts. Also genieße ich, was ich tue, und freue mich von Herzen an kleinen Dingen. Das müssen nicht einmal Erfolge sein: die morgendliche, nur vom Nieselregen unterbrochene Stille auf dem Golfplatz, die glatten Klaviertasten unter meinen Fingern.

Konzentration auf das, was ich gerade tue, und das Gedankenkarussell im Kopf steht still. Aktive Meditation. Freude statt Ehrgeiz. Spaß am Kannichnich. Vielleicht muss frau dazu wirklich erst die 50 überschreiten.


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Stehvermögen – Gehvermögen

Er war 18 und fuhr einen hellblauen Käfer. Ich war 14 und schwer beeindruckt. Eines Tages sagte er zu mir: „Du hast ja sowieso kein Stehvermögen.“ Ich wusste nicht, wie er darauf gekommen war, aber der Satz blieb. Eine unumstößliche Wahrheit in meinem Leben.

Dann kamen sie, diese Situationen, die ich vor dem offiziellen Ende beendete: Beziehungen (wenn es für die überhaupt ein ‚offizielles Ende‘ gibt), das Studium, das Flöten- und das Klarinettenspiel … Und jedes Mal wusste ich mit schlechtem Gewissen: „Du hast ja sowieso kein Stehvermögen.“

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Gestern dann im Toastmasters Club Bern: Ein Vorstandsmitglied erzählt von den über 40 Reden, die ich in den letzten sieben Jahren gehalten habe, von den Mitgliedern, deren Mentorin ich war, von meiner Arbeit als Präsidentin, von Workshops, die ich geleitet habe. Sie überreicht mir die Urkunde, die Anstecknadel und ein Geschenk des Vorstands. Ein Vorbild sei ich. Vor allem hinsichtlich – Achtung! – Stehvermögen.

Ich war erfreut, gerührt, stolz. Und ich frage mich: Wie ist das jetzt mit meinem Stehvermögen? Hab ich’s oder hab ich’s nicht?

Der Blick zurück zeigt, was vermutlich jeder erwartet hat: Bei vielem war ich bis zum offiziellen Ende dabei, Schule, Ausbildung, Lehrgänge. Bei anderen Projekten habe ich zu irgendeinem Zeitpunkt beschlossen, sie zu beenden. Und jetzt kommt’s: Die Überlegung „aufhören oder weitermachen?“ habe ich auch bei den Projekten angestellt, die ich offiziell abgeschlossen habe. Meist sogar mehr als einmal.

Abbrechen, Hinschmeißen, Davonlaufen – das war für mich nie eine Option. Ich habe überlegt, wie es weitergehen soll. Was bringt es mir, dranzubleiben? Wofür und wovon bin ich frei, wenn ich aufhöre? Was verliere ich, wenn ich aufhöre? Das waren nicht immer nüchterne Überlegungen, da ging es nicht nur um Daten, Zahlen, Fakten, Kosten und Gewinn. Da ging es durchaus auch um Gefühle, oft war Ärger im Spiel, Wut, Trauer. Vielleicht war die eine oder andere Entscheidung falsch, und es wäre besser gewesen, früher aufzuhören oder länger weiterzumachen. Darüber nachzugrübeln, ist müßig.

Man muss nicht um jeden Preis dranbleiben, weitermachen, durchhalten . Wenn man Pech hat, geht man vor lauter Durchhalten nämlich vor die Hunde. Es ist auch keine gute Idee, bei der ersten Schwierigkeit aufzugeben. Ich kann dir leider keine Zahlen nennen: Nach x Schwierigkeiten vom Grad y ist es sinnvoll, ein Projekt, eine Beziehung, eine Aktivität zu beenden.

Entscheidend ist, sich immer wieder zu überlegen, was gerade passiert, was mein Beitrag ist, was so bleiben soll, was sich ändern soll, was ich ändern kann. Dann gehst du nämlich Schritt für Schritt für Schritt weiter auf deinem eigenen Weg. Gehvermögen statt Stehvermögen.


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Jungfrau-Erzählfestival – Tipps für eine Freundin mit Familie

Du fragst, welche Veranstaltung beim Festival ich dir empfehlen könnte? – Das ist schwierig. Denn alle sind auf ihre Art super gut. Schauen wir mal:

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Fang doch am Freitag (6.Februar) mit einem Lady’s Abend an: Doris und ich haben ab 18 Uhr ein schönes Programm mit Berg- und Talfahrten, da kann man am Ende sogar mitsingen. Eintritt: 20 Franken, Ort: Saal Niesen im Hotel Chalet Oberland, Interlaken.

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Ab 20 Uhr wird’s dann – am selben Ort – totaaaaaal witzig: Jörg und Hedwig mit ihrer Kofferbühne, und Ariane mit ihren wunderschönen Geschichten auf Französisch, bei denen man prima mitreisen kann. Wenn du eine Übersetzerin brauchst, schau ich, dass du eine findest. Der Eintritt hier: 25 Franken – dafür gibt’s zu Beginn noch eine echte Grossrätin, die das Festival offiziell eröffnet.

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Oder du gönnst dir einen Geschichtenbummeltag am Samstag, 7. Februar: Von 11 bis 12 Uhr bei der Feuerschale auf dem Marktplatz lauschst du den Gratwanderungen von Hertha Glück und Martin Niedermann, dann ne Stunde shoppen, dann  die Erzähler im Las Rocas hören. Es sind zwanzig Frauen und Männer aus der ganzen Schweiz, pro Stunde erzählen fünf – da gibt’s also viel Gutes für die Ohren, und der Kaffee ist auch fein. Eintritt am Samstag tagsüber: alles, was du freiwillig in die Kollektehüte schmeisst 🙂

dann einen schönen Spaziergang …

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… und von 18 bis knapp 19.30 Uhr hörst du Martin und Jörg zu. Die beiden sind sehrsehrsehr unterschiedlich und richtig gut, vor allen Dingen, wenn sie Sagen und Geschichten aus den Bergen und vom Meer erzählen. Der Eintrittspreis ist hier pro Person 20 Franken. Danach schaust du, dass du eine Bratwurst oder ein Sandwich kriegst und dass die Geschichten von Meeresspiegel und Alpenkamm gut sacken, denn …

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… denn ab 20.00 Uhr sind fünf schräge Weiber auf der Bühne. Passend zum Titel des Festivals werden sie auch von Jungfrauen erzählen. Und von Witwen, Weisen, Madonnen, Königinnen, Hexen, … Kosten für eine Person 25 Franken. Ach ja, du findest uns wie am Vorabend im Saal Niesen, Hotel Chalet Oberland, Interlaken.

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Oder Ihr könnt einen Familien-Sonntagsausflug ins Auge fassen. Die Geschichten von Silvia Studer-Frangi und Martin Niedermann und die Musik der Berner Barden werden auch den Kindern gefallen. Und wenn’s zu lang wird, könnt ihr immer noch gehen. Kostet pro Person 65 Franken – und auch das Frühstück ist so richtig mhhhh. Zeit und Ort der Handlung: Sonntag, 8.2., 11 bis 14.30 Uhr, Saal Veranda, Hotel Chalet Oberland, Interlaken.

Wie jetzt – du kannst dich nicht entscheiden? Wir haben auch Pässe fürs ganze Festival, richtig schicke Stoffbändeli mit Stickerei und Plastikplombe: Das gelbe (Freitag/Samstag) für 80 Franken, das blaue (inkl. Sonntag) für 140 Franken. Bestellen kannst du jetzt gleich per E-Mail an mail@jungfrau-erzaehlfestival.ch.

Ich freu mich auf dich, und die anderen freuen sich mit mir!