Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Nachdenken übers Texten, Erzählen, Heiraten … Leben


Hinterlasse einen Kommentar

Montagmorgen #94: Lernen

In letzter Zeit erwische ich mich des Öfteren dabei, dass ich von Dingen erzähle, die ich kann. Und manchmal frage ich mich, wann ich das, von dem ich gerade erzähle, eigentlich gelernt habe.

Timothy Gallway, den du vielleicht als Autor der „Inner Game“-Bücher kennst, schreibt in seinem Buch „INNER GAME COACHING: Warum Erfahrungen der beste Lehrmeister sind„, dass wir unsere Arbeit nur dann interessant finden, wenn wir dabei etwas lernen. Ich führe, seit ich das weiß, eine Art Lerntagebuch, und staune beim Blättern oft, wann ich was gelernt, erfahren oder wieder erinnert habe.

Am kommenden Donnerstag (21. Mai – Himmelfahrt) kannst du etwas lernen: Hör zu, wenn ich die chinesische Version des „Teufels mit den drei goldenen Haaren“ erzähle – gar nicht teuflisch, sondern eine Himmelfahrt. Das Ganze live online im Rahmen der Geschichten-Mittagspausen im Café The Vintage in Reinbek. Fünf Mittagspausen bekommst du schon für 27 Euro. Melde dich einfach per E-Mail bei mir an, dann bekommst du deine Rechnung und natürlich jede Woche den Zoom-Link zur Geschichten-Mittagspause.


2 Kommentare

Montagmorgen #84: Wo ist die Werkzeugkiste?

Wenn ich ein Bild auf- oder umhängen will, weiß ich genau, dass ich Zange, Hammer, Zollstock, Bleistift, einen Nagel (eher doppelt so viele, wie das Bild Aufhängpunkte hat), vielleicht sogar die Wasserwaage brauche. Und ich weiß, wo ich diese Sachen in meiner Wohnung finde.

Wenn ich andere Werkzeuge brauche – etwa, um mich zu erinnern, um mich zu konzentrieren, um zu schreiben, um zu erfinden, um Gefühle zu erkennen, um mit anderen Menschen umzugehen – dann erinnere ich mich leider nur selten daran, dass ich a) diese Werkzeuge überhaupt besitze und b) wo sie sind.

In dieser Woche möchte ich mal aufräumen …


Hinterlasse einen Kommentar

Montagmorgen #80: Hälfte des Lebens

Nein, es geht heute nicht um Hölderlin und gelbe Birnen. Es geht um einen Ausflug in die Vergangenheit, den ich letzte Woche zusammen mit meinem Sohn gemacht habe. „Nur mal gucken, wo wir gewohnt haben“ … das wurde ganz schnell zum Wiederentdecken unserer damaligen Wege, unserer damaligen Gedanken, unserer Träume, unserer Aufgaben. Klar, dass Mami andere Gedanken, Träume, Aufgaben hat als das Kindergarten- bzw. Schulkind. Erschreckend, wie wenig ich von den Gedanken und Träumen meines Kindes wusste!

Umso dankbarer bin ich, dass wir heute über diese Themen sprechen können. Dankbar bin ich den Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben und noch begleiten. Ein besonders herzliches Danke gilt dabei dem Betreiber der Eisdiele in Meerbusch-Büderich – fürs Durchhalten, fürs noch-immer-da-Sein: Das Strahlen in den Augen meines Sohnes, diesen wichtigen Kindheitsort wiederzuentdecken, war Gold wert.

Wie geht es dir, wenn du „ein halbes Leben“ zurückschaust? Mit wem könntest du deine Erinnerungen teilen und dabei den Blick weiten? Ich wünsche dir dabei viel Freude.


Hinterlasse einen Kommentar

Montagmorgen #75: Ein Jahresmotto?

Vor zwei Wochen habe ich über die Raunächte erzählt und dir das Ritual mit den 13 Wünschen fürs neue Jahr vorgestellt. Gestern Abend durfte ich nun den letzten Zettel öffnen und lesen, für welchen Wunsch ich in diesem Jahr selbst zuständig bin. Es ist tatsächlich einer, an dem ich an jedem Tag und in jeder Minute arbeiten kann. Darauf freue ich mich.

Wenn du Lust hast, mit mir über deine Wünsche zu plaudern, hättest du die nächste Live-Gelegenheit am Samstag oder Sonntag (11./12. Januar 2020) auf der Hochzeitsmesse Herz an Herz in Lübeck. Du findest mich am Stand 92, und ich freue mich aufs Plaudern mit dir.


Hinterlasse einen Kommentar

Bilder

Einer meiner ersten nördlichen Ausflüge führte mich nach Møgltønder. Die  Häuschen zitterten im Frost, der Trödelladen hielt Winterschlaf, und ich war von der Kirche so fasziniert, dass ich das Fotografieren völlig vergessen habe.

Also gestern noch einmal hin. Dieses Mal mit Kirchenfotos und der Erinnerung an den Reiseführer, der erzählt hat, dass man Kirchen mit Bildern aus der biblischen Geschichte ausgemalt hat, weil die Leute nicht lesen konnten.

Im Kirchenflur ein Grabstein. Hatte ich dänische Vorfahren oder Verwandte?

20160416_154650

Das Café hinter der Kirche gehört wohl zum Trödelladen gegenüber. Die Cafébesitzerin Sonia Nielsen malt.

Gerne auch Märchenmotive. Allerdings hat das Aschenputtelbild mit dem hosenlosen Prinzen, bei mir andere Assoziationen ausgelöst. Eine Schelmin, die Böses dabei denkt?

20160416_160658

 


6 Kommentare

Zeit

Nur noch eine Woche. Keine Pläne an diesem Samstag, an diesem Sonntag, mich treiben lassen, schreiben. Zurückschauen auf zehn nördliche Wochen.

Auf frostige Tage, an denen der Weg durch den kalten Flur eine Mutprobe war. Auf einen Kühlschrank, in dem immer etwas fehlte, weil ich meine Einkäufe nicht geplant hatte. Vom Vorhandensein eines Einkaufszettels ganz zu schweigen. Auf die Enttäuschung, dass das Nolde Museum in Seebüll im Februar noch Winterschlaf hält. Auf frühe Stunden, als der Wind mich weckte, auf Sonnenaufgänge, die sich langsam meinem Schlaf-Wach-Rhythmus anpassten. Auf Windräder, die sich so lange in mein Blickfeld drängten, bis ich sie nicht mehr sah und hörte. Auf Menschen, die unerwartet in mein Leben getreten sind und es unermesslich bereichert haben. Auf Schneeglöckchen und Osterglocken, auf Weidenkätzchen und Forsythien. Auf Lämmchen, die zehn Minuten lang aussehen, als würden sie die Welt gleich wieder verlassen, aber dann … Auf den Nachmittag, an dem die Sonne warm genug war, die Gartenstühle aus dem Schuppen zu holen. Auf Farben und Formen, von den ich keine Ahnung hatte, dass sie existieren. Auf Klänge und Worte, die das Mehr nähren. Auf Gerüche, die tief vergrabene Erinnerungen aufsteigen lassen.

Nur noch eine Woche. Lauter letzte Male. Wenn man im Restaurant Seebüll beim Nolde Museum aus dem Fenster schaut, sieht man kein einziges Windrad. Kein. Einziges.

Nur weil ich letzte Male hasse, werde ich die Zeit nicht anhalten.

 


2 Kommentare

Auf Sand

Sylt. Ein Euro und ein paar Zerquetschte für den Durchgang zum Strand. Shoppingkaffeeproseccoschickimicki bleibt zurück. Stufen runter, und das Meer ist in der Mehrheit. Davor Sand. Sand zum Drauflaufen. So trocken, dass man einsinkt, die Körnchen füllen unweigerlich die Schuhe, dann feucht und fest, unter den Sohlen knirschen Muscheln. Schade drum, vorsichtig auftreten. Dann nass, weich, schaumbedeckt. Nasse Füße nur duch Nichthingehen zu vermeiden.

Geradeaus weitergehen, lebensmüde Idee, bis das Rauschen lauter wird als Hundegebell und Babygeschrei. Was wäre die letzte Geschichte?

Rømø. Übern Damm und immer geradeaus, nicht anhalten, wenn der Sand beginnt, aber dorthin fahren, wo die anderen auch sind. Wer an den weichen Stellen einsinkt, wird gerettet und viel Geld los. Sand ist wie Eis: Vollgas plus Handbremse gleich Pirouette. Oder abgewürgter Motor, schon okay. Aussteigen schwierig, der Wind treibt eine Sandwand Richtung Nordosten, die Körchen füllen unweigerlich den Mund, schenken der Haut eine natürliche Schälkur, zerkratzen die Brille.

Sich in den Wind legen, abgehobene Idee, bis das Rauschen lauter wird als die Handbremsenpirouetten. Wohin würde er mich tragen?

20160407_115901

Zukunft. Nicht für Euros zu haben, nicht mit dem schnellsten Auto zu erreichen. Was, wenn sie nicht auf Sand gebaut wäre?