Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


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Montagmorgen #45: Wie fängst du an?

Wenn man mit Leuten ins Gespräch kommt, die Ähnliches tun wie man selbst, entstehen manchmal interessante Fragen. So wollte der junge Radiomoderator, den ich letzten Samstag bei einer Hochzeit traf, wissen: „Wie fängst du denn deine Storys an, wenn du solche technischen Themen hast?“ … Ja, ja, wir waren nicht mehr beim Thema Hochzeit, sondern bei den PR- und Werbethemen, mit denen ich mich als Texterin befasse! …

In kürzester Zeit waren wir uns einig, dass wir beide die gleiche Technik benutzen, nämlich Storytelling. (Ach was?!?!?!) Auch wenn du ein hoch komplexes Thema behandeln musst, spricht ja gar nichts dagegen, deinen Leser*innen den Einstieg leicht zu machen. Mit zwei, drei Sätzen,

  • die zeigen, wie das Thema sich im Leben des Lesers auswirkt
  • die uns mitnehmen zu einer Erfahrung eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen
  • die eine Frage aufwerfen, über die man sich eher selten Gedanken macht

lässt du Frau Leserin und Herrn Leser sanft in deinen Artikel hineinrutschen. Das gilt übrigens auch für Vorträge und Präsentationen. Probiere es doch mal aus.


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Montagmorgen #37: Storytelling zu dritt

Ein wunderbares Storytelling-Wochenende liegt hinter mir. Mary-Alice, Yannis und Jan haben einen Live-Workshop zum Thema Imagine 2019 in Bonn organisiert, und wir haben mit Storytelling-Mitteln auf die ersten dreieinhalb Monate des Jahres zurückgeschaut und herausgefunden, was wir für die nächsten Monate mitnehmen können. Von einer Übung erzähle ich hier. Du kannst sie allein ausprobieren. Wenn du aber zwei Mitmacher*innen findest, wird es viel, viel spannender:

 


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Der Appetithappen. Eine Weihnachtsgeschichte im Januar.

Bei der Adventsfeier bei Mrs. Sporty in Lohbrügge habe ich diese Geschichte erzählt, und anderswo auch schon. Wenn dir das gefällt und du andere Geschichten – solche von starken Frauen und Mädchen nämlich – hören möchtest und gerade in Hamburg, um Hamburg, um Hamburg herum bist, dann komm doch vorbei: Am Donnerstag, 17. Januar um 19.30 Uhr, Lohbrügger Straße 28. Eintritt für Mrs.-Sporty-Mitglieder 7 Euro, für Nicht-Mitglieder 10 Euro. Ich freu mich auf dich.


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Frauentag. Weil’s gerade passt …

8. März, Frauentag, und ich bin nicht vorbereitet. Dabei gibt es doch Themen genug. Ein wenig frustriert greife ich zu meinem neuen, uralten Geschichtenbuch «Der Kreis der Lügner» von Jean-Claude Carriére und finde eine Sufi-Geschichte:

Ein Sultan hörte von einem großen Scheich, der in Anatolien lebte und Hunderttausende getreuer Untertanen hatte. Der Sultan war erschreckt von dieser Zahl und spürte deren Bedrohlichkeit, so dass er den Scheich nach Istanbul rufen ließ und ihn fragte:

«Was höre ich da? Du hast Hunderttausende, die bereit sind, für dich zu sterben?»

«Aber nein», antwortete der Scheich. «Ich habe nur eineinhalb.»

«Warum erzählt man mir dann, dass du das ganze Land erheben könntest? Wir werden sehen! All deine Untertanen sollen sich morgen früh auf der Wiese vor der Stadt versammeln.»

Überall wurde ausgerufen, dass die Getreuen des Scheichs sich am nächsten Morgen auf der Wiese versammeln sollten, weil der Scheich höchstpersönlich dort sein würde.

Auf einer Anhöhe, von der aus man die Wiese überblicken konnte, ließ der Scheich ein Zelt errichten. Ins Zelt brachte er ein paar Schafe, aber so, dass niemand sie sehen konnte.

Die Getreuen kamen in Scharen. Der Sultan, der mit dem Scheich vor dem Zelt stand, sagte: «Du hast behauptet, nur eineinhalb Getreue zu haben. Sieh hin! Sie sind zu Tausenden, ja, zu Zehntausenden gekommen!»

«Du wirst sehen – ich habe nur einen Getreuen», antwortete der Scheich. «Sag ihnen, ich hätte ein Verbrechen begangen, und du wirst mich hinrichten lassen, wenn sich nicht einer meiner Getreuen für mich opfert.»

Der Sultan nickte und verkündete. Doch schnell trat ein Mann vor und sprach laut: «Der Scheich ist mein Herr. Alles, was ich weiß und habe, verdanke ich ihm. Ich gebe für ihn mein Leben.»

Er ging auf die Anhöhe hinauf, wurde ins Zelt geführt, und dort schnitt man einem der Schafe die Kehle durch. Jeder konnte sehen, wie das Blut aus dem Zelt floss.

Da sprach der Sultan: «Ein Leben genügt nicht. Ein weiterer Getreuer muss sich für den Scheich opfern, damit ich sein Leben verschone.»

Es war still auf der Wiese. Totenstill. Da trat eine Frau vor: «Er ist es wert zu leben. Ich opfere mich gern für ihn.»

Auch sie ging die Anhöhe hinauf und wurde ins Zelt geführt. Und wieder schnitt man einem Schaf die Kehle durch. Die Menge sah das Blut fließen und begann, sich langsam, aber sicher zu zerstreuen. Schon bald war die Wiese leer.

«Da siehst du’s», sagte der Scheich zum Sultan. «Anderthalb Getreue.»

«Der Mann ist ein ganzer Getreuer und die Frau ein halber?», wollte der Sultan wissen.

«Im Gegenteil», antwortete der Scheich. «Der Mann wusste nicht sicher, dass man ihm im Zelt die Kehle durchschneiden würde. Doch die Frau hat das Blut gesehen und ist dennoch gekommen. Sie ist die wahre Getreue.»


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Zeit

Nur noch eine Woche. Keine Pläne an diesem Samstag, an diesem Sonntag, mich treiben lassen, schreiben. Zurückschauen auf zehn nördliche Wochen.

Auf frostige Tage, an denen der Weg durch den kalten Flur eine Mutprobe war. Auf einen Kühlschrank, in dem immer etwas fehlte, weil ich meine Einkäufe nicht geplant hatte. Vom Vorhandensein eines Einkaufszettels ganz zu schweigen. Auf die Enttäuschung, dass das Nolde Museum in Seebüll im Februar noch Winterschlaf hält. Auf frühe Stunden, als der Wind mich weckte, auf Sonnenaufgänge, die sich langsam meinem Schlaf-Wach-Rhythmus anpassten. Auf Windräder, die sich so lange in mein Blickfeld drängten, bis ich sie nicht mehr sah und hörte. Auf Menschen, die unerwartet in mein Leben getreten sind und es unermesslich bereichert haben. Auf Schneeglöckchen und Osterglocken, auf Weidenkätzchen und Forsythien. Auf Lämmchen, die zehn Minuten lang aussehen, als würden sie die Welt gleich wieder verlassen, aber dann … Auf den Nachmittag, an dem die Sonne warm genug war, die Gartenstühle aus dem Schuppen zu holen. Auf Farben und Formen, von den ich keine Ahnung hatte, dass sie existieren. Auf Klänge und Worte, die das Mehr nähren. Auf Gerüche, die tief vergrabene Erinnerungen aufsteigen lassen.

Nur noch eine Woche. Lauter letzte Male. Wenn man im Restaurant Seebüll beim Nolde Museum aus dem Fenster schaut, sieht man kein einziges Windrad. Kein. Einziges.

Nur weil ich letzte Male hasse, werde ich die Zeit nicht anhalten.

 


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Dumm gelaufen, oder was?!

Wikipedia sagt: «Der Safran (von arabisch/persisch زعفران, DMG zaʿfarān, „Safran“, wissenschaftlicher Name Crocus sativus) ist eine Krokus-Art, die im Herbst violett blüht. Aus den Stempeln ihrer Blüten wird das ebenfalls Safran genannte Gewürz gewonnen.»

Vom Safran haben anscheinend schon die Mönche im 15. Jahrhundert und dann im 17. Jahrhundert die Herzogin Marie Elisabeth gewusst. Was hatten die frommen Herren mit der begeisterten Zuckerbäckerin gemeinsam? Sie lebten an derselben Stelle «vor Husum». Die grauen Mönche hatten ein Kloster, Marie Elisabeth wohnte in dem Schloss, das an der Stelle des Klosters errichtet worden war.

Die Mönche hätten gern ihre liturgischen Gewänder mit Safran gefärbt; die Herzogin hätte mit Safran gern ihre Kuchen gewürzt. Ob nun die Mönche, die Gärtner der Herzogin oder noch jemand ganz anderes die abertausend Krokusknollen rund um das Schloss vor Husum gepflanzt haben, weiß gemäß der Tafel im Schlosspark niemand mehr.

Tatsache ist: Wenn die Mönche, die Herzogin oder sonst jemand Safran hätten ernten wollen, werden sie von den Stempeln ihrer lila Blümchen wohl sehr enttäuscht gewesen sein. Die Blütenstempel sind nämlich kein bisschen würzig, und die Krokusse blühen nicht im Herbst, sondern im Frühling. Im März. Jetzt.

Man nennt es «das Wunder des Nordens», und Husum bereitet sich auf einigen riesigen Besucheransturm vor. Am Sonntag sind sogar die Geschäfte offen, damit die Leute nicht nur Krokusse gucken müssen.

Ich hab heut‘ schon geguckt. Im Schlosspark. Wunderschön!