Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


6 Kommentare

Begeistert!

Vor langer, langer Zeit, vor gut einem Jahr fragte mich eine Lehrerin, ob ich sie bei einem Schulprojekt unterstützen könne. Ihre Schule führe ein Projekt «Lernfamilie» durch, in dem Schüler aus der 1. bis 6. Klasse ein Jahr lang an einem Projekt arbeiteten. Sie – als Handarbeitslehrerin – plane, mit ihrer elfköpfigen Mädchengruppe ein Buch aus Putzlappen zu gestalten. Es fehle noch die Geschichte für das Buch, und sie habe gehört, ich hätte da so einen Geschichtenbaukasten…

Stimt, ich arbeite mit dem Geschichtenbaukasten von Helga Gruschka. So entstand die Geschichte von der kleinen Malerin Pampelmus vom Nadelfluss, die ihre Bilder so gern in der Stadt im Museum zeigen wollte.

Heute, viele Monate später lag in meinem Briefkasten ein dicker Umschlag. Die Lehrerin, Jacqueline Bättig hatte auch für mich ein Putzlappenbuch gemacht. Ein Kunstwerk! … Seht selbst:


Hinterlasse einen Kommentar

Gamarjoba, Roswitha!

Hättest du’s gewusst? – Gamarjoba heißt hallo. So wird man in Georgien begrüßt.
Warum ich so etwas weiß? – Weil ich ein neues Hobby habe, das fast überhaupt nicht elektronisch ist, aber ganz viel mit Kommunikation zu tun hat: Postcrossing.

Der elektronische Teil 1 von Postcrossing besteht darin, dass du dich auf www.postcrossing.com registrierst und dir Postadressen – also so richtig Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Stadt, Land – von anderen Postcrossern geben lässt.

Diesen Menschen schreibst du dann ganz konventionell eine Postkarte. Wenn deine Postkarte beim Empfänger angekommen ist und dieser die Karte registriert hat (s. u., elektronischer Teil 2), geht auch deine eigene Postadresse in den Verteiler, und irgendwann landen Postkarten in deinem Briefkasten.

Wenn du eine Postkarte in deinem Briefkasten findest, kommt der elektronische Teil 2: Du registrierst die Karte auf der Postcrossing-Plattform.

Ich habe erst vor zwei Wochen mit dem Spiel begonnen. Es sind gerade vier Postkarten unterwegs, unter anderem nach Weißrussland und Taiwan, zwei sind schon am Ziel (in Deutschland und Finnland), und die erste habe ich gerade erhalten. Da öffnet sich ein papiernes Fenster zur Welt. Ich bin gespannt, wie bunt meine Landkarte in den nächsten Wochen und Monaten wird. Wer weiß, vielleicht begegnen wir einander auch einmal im Format DIN A6??

Ach ja, und bei jedem neuen Einloggen wirst du in einer anderen Sprache begrüßt. Hallo auf kroatisch heißt bok.


Hinterlasse einen Kommentar

Der Norden schweigt? – Ach was!

St. Peter-Ording sei schön. Also fahre ich am vorerst letzten nördlichen Sonntag hin. Den Weg bis Husum kennt mein Auto schon, danach hilft die Luise mit präzisen Richtungs-, Abbiege- und Geschwindigkeitshinweisen. Dann die Kreuzung, das Schild, kein Foto.

Nach links geht es wohl zu einem entfernten Kollegen. Wer anders sollte in (der) Reimersbude wohnen als ein Dichter? Ein tolles Umfeld hat der Reimer sich ausgesucht. Wenn’s ihm an Humor gebricht, geht er in die nächste Umgebung: Witzwort. Hält er es hingegen mit hanebüchenen Hab- und pyramidonalen Saumseligkeiten, fährt er weiter … und kommt nach Oldenswort.

Sollte es mit der Reimerei gar nichts werden, liegt (der ganze) Krempel im Süden. Und links von St. Peter-Ording, da findet der Reimer alles, was er braucht: Welt.

Der Ausflug hat sich gelohnt; manchmal war’s zum Brüleen!


2 Kommentare

Interview auf Story-Power

Oh je und oh ja. Selbst wenn man ein Interview im Vorfeld einigermaßen vorbereiten kann, ist das Beantworten von Fragen «live» schwieriger als eine Rede, ein Vortrag, ein kompletter Erzählkunstabend.

Ich hoffe, du findest trotzdem DEN EINEN überraschenden Tipp für deine eigenen Geschichten.


Hinterlasse einen Kommentar

Dumm gelaufen, oder was?!

Wikipedia sagt: «Der Safran (von arabisch/persisch زعفران, DMG zaʿfarān, „Safran“, wissenschaftlicher Name Crocus sativus) ist eine Krokus-Art, die im Herbst violett blüht. Aus den Stempeln ihrer Blüten wird das ebenfalls Safran genannte Gewürz gewonnen.»

Vom Safran haben anscheinend schon die Mönche im 15. Jahrhundert und dann im 17. Jahrhundert die Herzogin Marie Elisabeth gewusst. Was hatten die frommen Herren mit der begeisterten Zuckerbäckerin gemeinsam? Sie lebten an derselben Stelle «vor Husum». Die grauen Mönche hatten ein Kloster, Marie Elisabeth wohnte in dem Schloss, das an der Stelle des Klosters errichtet worden war.

Die Mönche hätten gern ihre liturgischen Gewänder mit Safran gefärbt; die Herzogin hätte mit Safran gern ihre Kuchen gewürzt. Ob nun die Mönche, die Gärtner der Herzogin oder noch jemand ganz anderes die abertausend Krokusknollen rund um das Schloss vor Husum gepflanzt haben, weiß gemäß der Tafel im Schlosspark niemand mehr.

Tatsache ist: Wenn die Mönche, die Herzogin oder sonst jemand Safran hätten ernten wollen, werden sie von den Stempeln ihrer lila Blümchen wohl sehr enttäuscht gewesen sein. Die Blütenstempel sind nämlich kein bisschen würzig, und die Krokusse blühen nicht im Herbst, sondern im Frühling. Im März. Jetzt.

Man nennt es «das Wunder des Nordens», und Husum bereitet sich auf einigen riesigen Besucheransturm vor. Am Sonntag sind sogar die Geschäfte offen, damit die Leute nicht nur Krokusse gucken müssen.

Ich hab heut‘ schon geguckt. Im Schlosspark. Wunderschön!


2 Kommentare

Fundstück

Norden ist, wenn man trotzdem rausgeht? In den letzten vier Tagen ist mir das schwergefallen. Es gab Augenblicke, an denen die Sonne durch die Wolken oder an den Wolken vorbei schien und die ganze Landschaft in ein Zauberlicht tauchte. Bis ich dann Jacke und Stiefel anhatte, war’s schon wieder vorbei.

Aber letzten Sonntag, da sah es richtig nach Frühling aus und duftete auch so. Carola hatte gesagt, kurz vor Ballum könne man wunderschön am Strand laufen. Also hin. Und feststellen: Carola hat recht.

Ich bin wohl eine gute Stunde Richtung Norden gelaufen, habe irgendwann der Fähre da draußen zugeschaut, ein riesiges weißes Etwas vor grauem und sandfarbenem Hintergrund. Dann habe ich mich mit leisem Bedauern wieder auf den Rückweg gemacht.

20160228_154701 Das Meer flutete gerade von seiner Ebbepause zurück. Sanft war es und leise, und doch schwatzte es die ganze Zeit vor sich hin wie ein Kind, das versonnen eine Geschichte erfindet. Meine Ohren lauschten, meine Augen entdeckten ein Stück entfernt weiter oben auf dem Strand einen schwarzen Rücksack. Daneben suchte eine schwarz gekleidete Gestalt anscheinend systematisch den Sand ab. Ein großes Kind? Ein junger Mann?

Weder noch. Beim Näherkommen erkenne ich, dass es eine Frau ist, in meinem Alter vielleicht, die sich immer wieder bückt, etwas aufhebt, anschaut, wieder weglegt. Als ich in Hörweite bin, richtet sie sich auf: „Hei!“ (Oder „hej!“?) Mein „Hei“ ist anscheinend akzentfrei, denn ein Schwall warmer, dänischer Wörter empfängt mich. „Ich kann leider kein Dänisch.“ – Völlig egal. Die Frau kann Deutsch, wie anscheinend alle Dänen hier.

„Schauen Sie, was ich gefunden habe. So etwas habe ich hier noch nie gesehen, und ich suche hier wahrlich oft nach interessanten Dingen.“ Das Ding, das sie mir entgegenstreckt (und das ich natürlich nicht fotografiert habe!), sieht auf den ersten Blick aus wie ein leicht zerdrücktes, kurzes Stück Plastikrohr, sieben Zentimeter lang, vier Zentimeter im Durchmesser, elfenbeinfarbig. Bei näherem Hinsehen sicher kein Plastik, und auch kein Rohr. Es sieht aus, als steckten im Inneren lauter Strohhalme aus dem gleichen Material. „Das sieht aus wie ein Stück Stoßzahn von einem Walross“, erklärt mir die Frau. „Das kommt ins Museum, auf jeden Fall.“ Ich weiß noch nicht, dass Walrosse in der Arktis wohnen – also ziemlich weit weg von hier, und freue mich von Herzen mit ihr über den Fund.

Später beschließe ich mit Elke und Barbara, dass ich am 22. März im Zollhaus Café von starken Frauen erzählen werde. Da müsste ich diese Frau eigentlich einbauen …


Hinterlasse einen Kommentar

Leute

Beim Lesen frage ich mich oft, wie diese Romanhelden so leicht «neue» Leute kennenlernen. Meist werden sie einfach weitergereicht und, zack, haben sie einen dramaturgisch brauchbaren Bekanntenkreis.

Und ich? Enno stellt mich den Nachbarn vor, schickt mich zu Elke, in die Niebüller Stadtbibliothek, nach Sylt zu Jens-Uwe (wo ich noch nicht war) …, Micaela schickt mich zu Linde, Monika schickt mich zu Werner. Überall viel, viel Freundlichkeit, Interesse, Spaß am Austausch, Lust, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

Zum Beispiel: Die Weinvertikale in Neumünster duftet noch nach frischem Holz, weil sie gerade erst eingerichtet und eröffnet wurde. Sie gehört Werner. Weil Werner nicht nur Wein verkauft, sondern Veranstaltungen rund um Wein anbietet, reden wir natürlich über Weinproben und Erzählen … am 14. April um 19 Uhr. Mehr dazu folgt an dieser und an anderen Stellen, und du darfst den Termin gerne schon in deiner Agenda vermerken.

Zwei Menschen betreten den Laden. Der Herr, der sein Fahrrad neben dem Schaufenster abgestellt hat, stellt einige Fragen, schaut sich dann um. Größere Weinmengen auf dem Rad zu transportieren, da ist man sich schnell einig, wird schwierig. Die Frau braucht Wein für eine Veranstaltung; sie und Werner kennen einander. Die beiden stehen an dem langen Tisch, konzentieren sich auf zwei Weine … eher mild oder lieber rustikal?

Ich beobachte den «Fahrrad-Kunden», der von Regal zu Regal schlendert, schaut, liest, nickt. Als er an mir vorbei geht, strahlt er mich an: «Das, was hier steht, findet man nicht überall. Fantastisch!» Dann ist er verschwunden.

Werner stellt mich der Frau als Geschichtenerzählerin vor, erzählt vom 14. April. Sie betreibt in Hamburg eine Bar, leitet Jazz-Festivals und hat so viele Fragen zur Erzählkunst, dass wir bestimmt noch öfter miteinander reden werden.

Irgendwie ist es doch wie in den Romanen und Geschichten!