Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


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Trau-Frau. Momente (m)eines Traumberufs.

Gegen Ende der letzten Hochzeitssaison bat Traumich-Gründer Mike Bucher (www.traumich.ch und www.traumich.de) uns, über einen einzigen, besonderen, berührenden Moment der Hochzeiten der vergangenen Saison zu schreiben. Kurz, bitte. Einen einzigen, besonderen Moment aus allen Hochzeiten herauspicken? Nein, da weigere ich mich!

Jede Zeremonie hat ihre berührenden, einzigartigen Momente. Da drückt die Brautmutter ihrem Schwiegersohn vor der Zeremonie ein Eisspray in die Hand, damit die Ringe sich an dem glutheißen Tag tatsächlich auf die Finger schieben lassen. Da reckt der Bräutigam beim Rauslaufen die Faust hoch, als habe er den größten aller Siege errungen. Da hebt das Kind der werdenden Eheleute beim Klang der Musik strahlend das Köpfchen und beginnt zu „dirigieren“. Da wischt die Braut ihrem Mann nach dem Kuss als erstes den Lippenstift ab. Oder ich muss die Zeremonie wegen Regen unterbrechen und die Gäste einladen, samt Stuhl in den Saal umzuziehen. Oder die Sängerin hört auf zu singen, weil die Tränen der Braut sie selbst rühren. Oder die Braut überreicht ihrem Liebsten beim Eheversprechen ein Cupcake und fragt die Gäste: „Habt ihr das Strahlen in seinen Augen gesehen?“ … Es hört nicht auf! Und ganz ehrlich: Bei jedem „Du bist mein bester Freund. Ich liebe dich.“ stehen mir noch immer die Tränen in den Augen.

Mich überwältigt das große Vertrauen, das die Paare mir entgegen bringen. Ich bin für sie eine Fremde, doch geben sie mir ganz tiefe Einblicke in ihr Leben … nach nur wenigen Stunden. Viele berührende Augenblicke erlebe ich schon in den Vorgesprächen.

Tja, und dann die Gäste … Gäste, die nach der Zeremonie zu mir kommen und sagen, dies sei das erste Mal gewesen, dass sie bei einer Hochzeit wirklich zugehört hätten. Oder: Dies sei die schönste Hochzeit, die sie je erlebt hätten.

Freie Trauungen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sich das Ja-Wort geben. Für mich und das Traumich-Team beginnt jetzt die Hauptsaison. Ich freue mich auf neue Bilder, neue Begegnungen, neue Erlebnisse. Trau-Frau ist ein Traumberuf. Mein Herz ist in den letzten zweieinhalb Jahren ein Stück gewachsen.

*Beitragsbild und Bilder 3-7: hochzeitsfotograf-ag.ch;
Bilder 8-10: Julie Wagner, bywagner.com;
Bilder 1-2: Ioannis Kaltirimtzis


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«Trauung» – was ist das?

Was eine «Trau-Frau» sei, fragen mich viele Leute. Ja, man kann eine Hochzeits- oder Trauungszeremonie ohne Pfarrer und nicht in der Kirche feiern. Solche Zeremonien leite ich. Eine solche «freie Trauung» hat rechtlich keine Bedeutung. Wer vor dem Gesetz verheiratet sein möchte, muss zusätzlich zum Standes- bzw. (in der Schweiz) zum Zivilstandsamt.

Abgesehen von der Zeremonie – was bedeutet «Trauung» eigentlich? Ich habe die in Deutschland bekanntesten Märchenkenner gefragt. Die Brüder Grimm waren ja auch Sprachwissenschaftler und haben im 19. Jahrhundert ein deutsches Wörterbuch zusammengestellt. Im Band 21, Sp. 1559 wurde ich fündig.

Grimm_TrauungOh! Überspringen wir mal die Bedeutung «dräuung» und «drohung». Im zweiten Abschnitt finden wir «vertrauen, fiducia; eheschlieszung, copulatio». Wir lernen, dass es den Begriff im Niederdeutschen seit dem 15. Jahrhundert gibt. Im Hochdeutschen hat es bis ins 18. Jahrhundert gedauert, bis er sich dort in seiner heute bekannten Bedeutung eingenistet hat. Wir lernen: «Trauung» ist sprachlich das Verbalabstraktum von «trauen» (Bd. 21, Sp. 1326), und «trauen» ist wiederum ist eng verwandt mit Treue und treu.

Es ging also ursprünglich darum, die Frau dem Mann anzuvertrauen. Bei den Grimms finden wir Zitate, die ich heute überhaupt nicht mehr als gültig erachte. Nein, die Frau muss sich nicht in allem ihrem Manne unterwerfen.

Aber sie soll ihm vertrauen, und er ihr. Treu sein hieße, dem Partner / der Partnerin zu trauen, zu vertrauen. Welche Vorstellungen Braut und Bräutigam von Treue, Zutrauen, Vertrauen haben, darüber lohnt es sich zu reden. Treu, bis dass der Tod …? Nicht fremd-flirten? Nicht fremd-schämen? Immer gleicher Meinung sein, zumindest nach außen? Oh, Schreck! Manchmal kommt man in einer Diskussion seinen eigenen Vorstellungen auf die Schliche.

Und wenn es passt, dann kann man sich «vermählen». Denn das bedeutet, sich ein Versprechen zu geben.


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Ja, … aber mit Ritual

Hochzeitskarten

Zugegeben, ich habe nicht recherchiert, wie viel Prozent der Hochzeitspaare in diesem Jahr auf den kirchlichen Segen verzichtet haben. Doch meine Erfahrung im ersten Jahr als Zeremonienleiterin im Traumich-Team hat gezeigt, dass sehr, sehr viele Paare sich anstelle einer kirchlichen Trauung ein weltliches Ritual wünschen. Ein weisses Kleid, ein guter Anzug, das blaue Strumpfband, Brautstrauss, Blumenkinder, Musik und natürlich viele Verwandte und Freunde sollen den Hochzeitstag begleiten. Das „Ja“ vor dem Zivilstandsbeamten wird ergänzt durch ein „Ja“ (oder mehrere „Jas“) vor einem Zeremonienleiter, vor einer Zermonienleiterin. Viele Paare formulieren ihre Eheversprechen ganz individuell – den Morgenkaffee ans Bett zu bringen, ist ebenso wichtig wie das wortlose Einsammeln der Golfschläger nach einem Wutausbruch des Partners oder der bedingungslose Rückhalt in Veränderungen und schwierigen Zeiten.

Warum eine solche Zeremonie? – „Wir wollen unser Zusammensein besiegeln und zeigen, dass wir zusammengehören. Dazu wollen wir ein Fest feiern, das mehr ist als ein ‚rundes Geburtstagsfest‘.“ „Wir haben gemeinsam eine Menge durchgemacht, jetzt ist es Zeit, dass wir uns zu unserer Zusammengehörigkeit bekennen.“ „Wir haben schon nach der Verlobung gemerkt, dass ‚etwas anders ist‘, obwohl sich eigentlich gar nichts geändert hat. Wenn wir vor unseren Verwandten und Freunden ‚ja‘ sagen, dann hat das eine viel grössere Verbindlichkeit.“

In eine Zeremonie sind meist Rituale integriert: Ihr könnt mit euren Freunden und Verwandten Brot brechen und teilen, ihr könnt farbigen Sand in eine Glasvase schütten, ihr könnt ein Bild malen, ihr könnt über einen mit Blumen bestreuten Weg gehen oder euch mit Seifenblasen bepusten lassen, ihr könnt ganz klassisch Ringe tauschen oder, oder, oder.

Als Zeremonienleiterin begleite ich euch und eure Gäste durch die Rituale, die ihr für euch als stimmig empfindet. Und ich erzähle euch und eurem Gästen noch einmal eure Liebesgeschichte. Natürlich kann ich nur die Informationen verwenden, die ihr mir im Vorfeld gebt. Und natürlich erzähle ich nur das, wozu ich eure Erlaubnis habe. Und ihr? Ihr schaut zusammen mit euren Gästen auf die Geschichte, so wie ich sie als Aussenstehende sehe – als Märchen, als Reisebericht, als Theaterstück, als Volleyballmatch, als …. Ihr hört einmal mehr, was euch verbindet, was euch als Paar ausserordentlich und ausserordentlich stark macht. Ich wünsche euch, dass ihr daraus die Kraft schöpft, eure Geschichte weiterzuerzählen, weiterzuleben. Eure Geschichte, wie immer sie aussieht, hat einen einzigartigen Zauber. Und der kann glücklich machen.