Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Nachdenken übers Texten, Erzählen, Heiraten … Leben


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Schreibblockade? – Nein, danke!

Manchmal ist es zum Verzweifeln: Du willst (oder musst) zu einem bestimmten Thema schreiben, und dann sitzt du vor dem Computer und nichts passiert. Du hast noch nie so wenig Lust gehabt, über das Thema nachzudenken, wie jetzt. Deine Notizen, wenn du welche hast, scheinen dir lächerlich und nichtssagend. Es gibt tausend Dinge, die du jetzt lieber erledigen würdest. Selbst der Gedanke, Wäsche zu bügeln, wirkt unglaublich attraktiv. Was tun?

Was bremst dich genau aus? Bist du mit deinen Gedanken und Gefühlen bei einem ganz anderen Thema? Fühlt es sich an, als stünde eine riesige Mauer zwischen dir und deinen Gedanken? Ärgert dich der innere Schweinehund, und du hast einfach keine Lust anzufangen? Ich verrate dir mal meine bewährten Lieblingstricks für diese drei Fälle:

  1. Andere Dinge sind oder erscheinen wichtiger
    Wenn in deinem Kopf etwas sitzt und sich immer wieder bemerkbar macht, muss es raus. Schenke den Gedanken, Gefühlen, Aufgaben deine Aufmerksamkeit. Du kannst dir ein paar Stichworte notieren, einen auch nur scheinbar wichtigen Anruf erledigen, oder/und festlegen, wann du dich intensiv mit diesem Thema beschäftigen möchtest. Verabrede dich ernsthaft mit dem Thema, das dich jetzt nicht arbeiten lässt, trage diese Verabredung in deinen Kalender ein. Jetzt müsste dein Kopf frei sein für die Schreibaufgabe.
  2. Eine Mauer zwischen deinen Gedanken zum Thema und dir
    Das klingt nach einer Schreibblockade. Alles, was vorher an treffenden Formulierungen und schlüssigen Argumentationsketten in deinem Kopf bereitlag, ist verschwunden. Mist! Mein Heilmittel ist, einen Brief oder E-Mail an einen Freund zu schreiben. Dear Mustafa_klein «Meinen Freund Mustafa» habe ich  während meiner Lehre in Hamburg kennengelernt. Er hat damals gesagt, er seiimmer mein Freund. Das ist er, auch wenn wir uns seither nie wieder gesehen oder gesprochen haben: Ihm schreibe ich meine Schreibblockadenbriefe. Ohne nachzudenken, haue ich in die Tasten, jammere, scherze, erkläre. Vor allem erkläre ich, was ich zu schreiben beabsichtige, was mich am Thema interessiert, was mich langweilt. Sehr oft nimmt mein Artikel, mein Aufsatz, mein Buchkapitel im Brief an Mustafa Gestalt an; ich brauche den Text nur noch zu überarbeiten.
    3. Der innere Schweinehund ist im Weg
    Schließlich ist da noch … keine Lust! Ideen wären vorhanden, ich habe keine brennenden anderen Aufgaben, nein, in meinem Kalender ist die heutige Schreibaufgabe sogar eingetragen. Aber ich will einfach nicht. Manchmal hilft mir in solchen Momenten die Erinnerung an die Schulzeit. Damals hatte irgendein Aufsatzthema an der Tafel gestanden, und ich habe geschrieben. Lust oder nicht. Oft kickt diese Erinnerung den inneren Schweinehund weg. Wenn nicht, stelle ich die Eieruhr bzw. meinen Handywecker auf 9 Minuten und verspreche mir, bis zum Klingeln intensiv zu arbeiten und dann eine Pause zu machen. Meist passieren dann drei verrückte Sachen:
    a) Ich fange tatsächlich an
    b) Mir fallen gute Sachen ein
    c) Wenn der Wecker klingelt, bin ich so «in Form», dass ich locker weiterarbeiten kann und es auch tue

Meine Auftraggeber können sich also darauf verlassen, dass ihre Texte rechtzeitig fertig werden. Wie kommst du über solche Blockaden hinweg?


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Der Schweinehund und die Sanduhr

Die Projektmanagementtagung 2014 ist Geschichte. Natürlich lernt man am meisten, wenn selbst einen Vortrag hält oder einen Workshop leitet. Ich hatte mein Aha-Erlebnis dieses Mal jedoch schon VOR meinem Workshop bei einer kleinen Plauderei mit dem Zeitmanagement-Spezialisten Ivan Blatter. Ich wollte wissen, ob er ihn auch kenne, diesen inneren Schweinehund (im Bild „Günter“).

Schweinehund_Günter

Als Profi-Zeitmanager sollte er doch eigentlich nicht … „Oh doch“, war die tröstende Antwort. Er kenne ihn gut. Und er habe einen stillen Trick.

Ich habe den stillen Trick kopiert. Er geht so:

  1. Besorge dir eine Sanduhr, die zehn Minuten misst
  2. Lege alles bereit, was du für die unangenehme Aufgabe brauchst, die du angehen willst/musst
  3. Stelle die Sanduhr so auf, dass sie nicht direkt in deinem Blickfeld ist, aber auch nicht zu weit weg
  4. Du weisst, dass du jetzt nur zehn Minuten an deiner Aufgabe arbeiten willst. Drehe also die Sanduhr um und leg los

 

Wenn du jetzt wieder auf die Sanduhr guckst,

  • bist du entweder mit der Aufgabe fertig
  • oder du bist so im Schwung, dass es nicht wichtig ist, dass die Sanduhr abgelaufen ist
  • oder es ist tatsächlich Zeit, etwas anderes zu tun. Dann hast du aber zehn Minuten an deiner Aufgabe gearbeitet

Sehr praktisch! Und übrigens: Für die meisten Arbeiten braucht man viel weniger Zeit als man sich vorgestellt hat. Das Abtauen und Putzen meines Kühlschranks war in 35 Minuten erledigt und … o je … wie lange hatte ich es vor mir hergeschoben!