Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


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Zeitreisen. Vor und zurück.

BruderKlaus

Wilhelm Busch: Der unsichtbare Schäfer

Es riefen mal drei Zwerge
Vor einem hohlen Berge:
»Vater Klaus, Vater Klaus,
Wirf Hütchen heraus!«
Und eins, zwei, drei im selben Nu
Fliegt jedem Zwerg ein Hütchen zu.

Für mein Erzählprogramm „Balladensch(w)atz“ ist aus „Vater Klaus“ „Bruder Klaus“ geworden, weil ich im Wallis so manchem Bruder-Klaus-Kapellchen über den Weg gelaufen bin. Wenn man das üerhaupt so sagen kann – schließlich stehen die Kapellchen am Weg, und manchmal sogar auch ein bisschen versteckt. Als ich letztens in der Kirche in Ernen war, stand Bruder Klaus schon dort, mit seinem Stab und der Gebetskette, und schaute an mir vorbei. Aufgefallen ist er mir trotzdem. Nur, seine Einladung hatte ich immer noch nicht angenommen.

Dazu musste ich erst auf dem Rückweg von München nach Obergerlafingen Pause in St. Gallen machen. Trotz 23 Jahren in der Schweiz war ich zum ersten Mal dort. Bruder Klaus war da auch in einem Pavillon aus Holz, Stahl, Stoff – für zwei Tage bloß, als habe er auf mich gewartet!

Meine Neugier war geweckt. Als ein leiser Gong ertönt, betrete ich den Pavillon und komme in die erste aus drei dünnen grauen Vorhängen und einer Holzwand bestehenden Kammer. Ich setze mich auf den Stuhl. Noch lassen sich schemenhaft die Vorgänge auf dem Platz erkennen, ich höre nicht nur, was draußen gesprochen wird, ich verstehe es auch. Doch schon bin ich ein bisschen entrückt.

Nach dem nächsten Gong geht es durch einen Schlitz im Vorhang in die nächste Kammer. Der Stuhl „schaut“ zur anderen Seite. Die Stimmen von draußen werden leiser. Gedanken kommen. Wie lebe ich? Wie hat Nikolaus von Flüe gelebt, auf den ich noch treffen werde? Wie werden die Menschen leben, wenn sie in 100 Jahren die Kugel öffnen und die Texte aus alter Zeit lesen werden?

Gong. Dritte Kammer. Der Stuhl steht so wie der erste. Nach kurzer Zeit tritt leise eine Frau mit einem großen Korb ein. Tasche, Schmuck, Schuhe wandern hinein. Unbelastet von allem scheinbar Notwendigen soll ich reisen. Draußen beginnt es zu regnen. Hat Nikolaus von Flüe den Regen auch so gehört? Oder klang Regen damals anders? Bis zum nächsten Gong reist mein Geist 600 Jahre lang rückwärts, 100 Jahre lang vorwärts. Wie war das? Wie wird das sein? Wie wäre es, tatsächlich einen Blick werfen zu können.

Die Holzwand in der vierten Kammer ist anscheinend eine Tür. Im oberen Drittel ist eine Schlaufe aus weißem Gurtband befestigt. Tatsächlich tritt von der Seite eine Frau ein, öffnet die Tür und lässt mich in einen mit dunklem Teppichboden vollständig ausgekleideten Raum eintreten. Da steht er, aus Holz geschnitzt, auf einem Sockel. Wenn er wirklich so ausgesehen hat, hat man früher vielleicht gesagt, sein Gesicht sehe aus wie aus Holz geschnitzt. Er schaut mich nicht an, lässt sich betrachten. Wir sind beide nicht mehr in der Zeit. Ich könnte noch lange so stehen. Der Gong ertönt zu bald, die Tür öffnet sich. Die Begegnung ist vorbei.

Eine Stoffkammer, ein Stuhl, der Korb mit meinen Sachen.

Vier kleine Zellen. Ich darf mir eine aussuchen. Ein Stuhl, ein Tisch, auf dem Tisch ein DIN-A5-Block, ein Bleistift. Ich darf schreiben, so lange ich will. Mit dem letzten Strich wird der Lärm von draußen anscheinend wieder lauter. Es regnet noch immer. Mein Papier fällt in die kupferne Kugel. 100 Jahre sollst du schlafen! Ob die Spuren unserer Bleistifte auf dem Papier dann noch zu entziffern sind? Ob noch jemand unsere Handschriften lesen kann? Ob es jemanden interessiert?

Ein bisschen orientierungslos gehe ich durch den Regen. Weil ich zum ersten Mal in St. Gallen bin? Oder weil ich gerade von einer langen Zeitreise zurückkomme?

Nikolaus reist gerade durch die Schweiz. Wenn er bei dir vorbeikommt, besuch ihn doch mal. Oder reise ganz absichtsvoll hin. Es lohnt sich: http://www.mehr-ranft.ch/projekte/niklaus-von-fluee-unterwegs/

 


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Trau-Frau. Momente (m)eines Traumberufs.

Gegen Ende der letzten Hochzeitssaison bat Traumich-Gründer Mike Bucher (www.traumich.ch und www.traumich.de) uns, über einen einzigen, besonderen, berührenden Moment der Hochzeiten der vergangenen Saison zu schreiben. Kurz, bitte. Einen einzigen, besonderen Moment aus allen Hochzeiten herauspicken? Nein, da weigere ich mich!

Jede Zeremonie hat ihre berührenden, einzigartigen Momente. Da drückt die Brautmutter ihrem Schwiegersohn vor der Zeremonie ein Eisspray in die Hand, damit die Ringe sich an dem glutheißen Tag tatsächlich auf die Finger schieben lassen. Da reckt der Bräutigam beim Rauslaufen die Faust hoch, als habe er den größten aller Siege errungen. Da hebt das Kind der werdenden Eheleute beim Klang der Musik strahlend das Köpfchen und beginnt zu „dirigieren“. Da wischt die Braut ihrem Mann nach dem Kuss als erstes den Lippenstift ab. Oder ich muss die Zeremonie wegen Regen unterbrechen und die Gäste einladen, samt Stuhl in den Saal umzuziehen. Oder die Sängerin hört auf zu singen, weil die Tränen der Braut sie selbst rühren. Oder die Braut überreicht ihrem Liebsten beim Eheversprechen ein Cupcake und fragt die Gäste: „Habt ihr das Strahlen in seinen Augen gesehen?“ … Es hört nicht auf! Und ganz ehrlich: Bei jedem „Du bist mein bester Freund. Ich liebe dich.“ stehen mir noch immer die Tränen in den Augen.

Mich überwältigt das große Vertrauen, das die Paare mir entgegen bringen. Ich bin für sie eine Fremde, doch geben sie mir ganz tiefe Einblicke in ihr Leben … nach nur wenigen Stunden. Viele berührende Augenblicke erlebe ich schon in den Vorgesprächen.

Tja, und dann die Gäste … Gäste, die nach der Zeremonie zu mir kommen und sagen, dies sei das erste Mal gewesen, dass sie bei einer Hochzeit wirklich zugehört hätten. Oder: Dies sei die schönste Hochzeit, die sie je erlebt hätten.

Freie Trauungen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sich das Ja-Wort geben. Für mich und das Traumich-Team beginnt jetzt die Hauptsaison. Ich freue mich auf neue Bilder, neue Begegnungen, neue Erlebnisse. Trau-Frau ist ein Traumberuf. Mein Herz ist in den letzten zweieinhalb Jahren ein Stück gewachsen.

*Beitragsbild und Bilder 3-7: hochzeitsfotograf-ag.ch;
Bilder 8-10: Julie Wagner, bywagner.com;
Bilder 1-2: Ioannis Kaltirimtzis


Ein Kommentar

Zaubertüechli???

Eitelkeit und Faulheit – das ist eine teure Kombination. Und sie macht empfänglich für Geschichten. Genauer: Ich bin eitel genug, um die „sichtbaren Zeichen der Hautalterung“ in meinem Gesicht lästig zu finden. Und ich bin seit jeher zu faul, um mit Reinigungsmitteln, Tages-, Augen-, Nachtcremes, Peelings, Masken, Seren, Make-up usw. meine Haut an altersgemäßen Veränderungen zu hindern zu suchen oder diese Veränderungen geschickt zu vertuschen. Versuche dieser Art endeten meist mit Entsorgung halb geleerter, eingetrockneter Make-up-Tiegelchen oder sobald das erste Set der wärmstens angepriesenen, teuer erworbenen Kosmetikserie aufgebraucht war.

Dann kam der 13. Mai, es war also vor fast drei Wochen, als ich bei der Hausmesse der STARK-Ladys ausstellte. Mir gegenüber war der Stand, an dem ein sehr gepflegtes, ziemlich faltenfreies Ehepaar die Zaubertüechli eines Schweizer Herstellers präsentierte. Als die Besucherströme abebbten, ließ ich mir die Geschichte erzählen.

Der Schaffhauser Tüechli-Produzent hat eine Methode gefunden, getrocknete Wirkstoffe, die die Haut feucht, pickelfrei oder jung machen, in ein Tüchlein zu bannen. Feuchtet man das Tuch an und reibt mit der weichen Seite über Gesicht, Hals und Dekolletee (nicht vergessen!), wechseln die Wirkstoffe unmittelbar vom Tuch in die Haut. Das geht schneller und direkter als bei einer normalen Gesichtscreme, die zusammen mit den Wirkstoffen immer auch eine Art Trägersubstanz auf die Haut aufbringt, die zwar nötig ist, um die Wirkstoffe zusammenzuhalten, ihnen aber gleichzeitig das Eindringen in die und das Wirken in der Haut erschwert. Überdies sei die Reinigungswirkung des Tuchs gewaltig: Wenn man das Gesicht am Abend – und tatsächlich genüge eine Anwendung pro Tag – abreibe, sehe man den Schmutz, der sich über Tag auf der Haut abgelagert habe, ganz deutlich. Rosacea (hab ich nicht) verschwände damit innerhalb von zwei Wochen, Falten bräuchten etwas länger. Ihre eigenen Gesichter, so das Ehepaar, seien ja der beste Beweis. Allerdings hatten sie keine Beweisfotos aus der Zeit VOR den Zaubertüechli.

Brauchte ich auch nicht. Die Geschichte war gut genug, um meine Eitelkeit und Faulheit zu bedienen. Diese Tüechli musste ich haben. Es gab zur Erstbestellung der Monatspackung eine Wochenpackung gratis.

Ich benutze die Tüechli jetzt die dritte Woche – vielleicht zu früh, um nach Falten zu suchen, die weniger tief sind als am 13. Mai. Sicher ist: Das Tuch ist nach der Benutzung nicht grauer als vorher. Sollte die Luft in Neu-Allermöhe (West) und Umgebung so sauber sein?

Hast du Erfahrungen mit Zaubermitteln dieser Art? Erzähl’s mir und uns!


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Unschuldige Geschichten?

Als ich im September 2009 das Erzählen lernen wollte, war schnell klar: Kurse, in denen ich lernen sollte, mit Geschichten zu lehren oder gar zu heilen, schieden aus. Ich wollte unterhalten. Punkt. Der Lehrer meiner Wahl versprach: Nach unserem Lehrgang kannst du das Telefonbuch spannend erzählen. Das wollte ich!

Dann kam der Abschlussabend der Erzählausbildung am 6. Mai 2010: Ich erzählte (m)eine Geschichte auf Basis der Ballade „Nis Randers“ von Otto Ernst und beobachtete fasziniert, dass Leute nach ihren Taschentüchern kramten. Hoppla! Meine Geschichte hatte nicht nur unterhalten – sie hatte berührt. Darauf war ich stolz. Denn wenn ich ganz ehrlich war, hatte mich eine berührende Geschichte, erzählt von Mary Alice Arthur überhaupt zum Erzählen gebracht.

Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen
(Jorge Bucay)

Geschichten können nicht nicht wirken

Welche Geschichten wähle ich aus, wenn ich ein Erzählprogramm zusammenstelle? Solche, die mich berühren, die mir sagen: „Erzähl mich!“ Die Geschichten wirken auf mich, und oft sehe ich, dass sie auch auf das Publikum wirken. Menschen schmunzeln, lachen, runzeln die Stirn, wischen sich eine Träne ab. Oft erzählen sie mir später, dass eine Geschichte sie an ein Erlebnis erinnert hat, oder sie teilen eine Meinung oder gar eine Erkenntnis. Manche erzählen es mir gleich, andere kommen Jahre später auf etwas zurück, das von mir gehört haben. Manche erzählen gar nichts.

Mein Wunsch, „nur“ zu unterhalten, ist nicht in Erfüllung gegangen. Die Diskussion im Open Forum bei der Konferenz Beyond Storytelling (und die Wiederbegegnung mit Mary Alice) am letzten Wochenende haben es mir wieder klar vor Augen geführt:

  1. Die Geschichte „in aller Unschuld“ gibt es nicht. Sie wirkt immer
  2. Ich habe keinen Einfluss darauf, ob und wie eine Geschichte bei Zuhörerinnen und Zuhörern wirkt

Geschichten hören

Das Gleiche gilt beim Hinhören. Ob eine Kollegin auf der Bühne erzählt, ob wir im Erzählcafé über unser Leben plaudern, ob ich in einem Halbsatz erfahre, dass ein lieber Freund seinen langjährigen Begleiter in den Hundehimmel entlassen musste, oder ob mir der Kunde eines Kunden erläutert, warum seine Firma sich ausgerechnet für diese Simulationssoftware entschieden hat – jede Geschichte wirkt auf mich. Höre ich genau das, was mein Gegenüber rüberbringen wollte? Nehme ich etwas anderes oder viel mehr oder viel weniger wahr (= als wahr annehme) als das, was gesagt wird? Keine Ahnung!

Was heißt das, auch für dein Erzählen?

  1. Wenn ich eine Absicht habe (ja, das kommt vor!), muss ich mir darüber vollkommen im Klaren sein. Vor allem darf ich nicht so tun, als hätte ich keine
  2. Oft wird ein Erzählabend dann richtig spannend, wenn die Interaktion (die ja auch während der „Performance“ stattfindet) im Gespräch hörbar wird
  3. Auch wenn du kein Erzählkünstler bist, erzählst du Geschichten über deine Arbeit, deine Familie, deine Hoffnungen, deine Träume, deine Ängste. Auch diese Geschichten wirken, und es ist gut, hin und wieder nachzufragen, wie sie wirken
  4. Wenn du Geschichten hörst und spürst, dass sie bei dir etwas auslösen, lass es die Person wissen, die sie dir erzählt hat. Und freu dich auf neue Erkenntnisse
  5. Vor allem aber: Erzähle. Und hör hin.

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Umziehen. Oder: Das war so doch nicht geplant

Das Gute an Alpträumen ist, dass sie irgendwann vorbei sind. Es bleibt die Erinnerung an etwas Dunkles, Beängstigendes und doch sehr Reales. Du erinnerst dich an Dinge, die du im Traum getan oder eben nicht getan hast, und fragst dich, wie das nur passieren konnte. Doch auch dieses Gefühl vergeht mit der Zeit. Das ist gut.

Mein Alptraum begann am Sonntagmorgen, 13. November, als ein kleiner Lastwagen mit Planen anstelle eines festen Aufbaus und einer polnischen Nummer vor meiner Berner Wohnung stand. Sollte der meine Sachen nach Hamburg transportieren? Am späteren Nachmittag kam ein zweiter Lkw dazu – bessere Qualität. Der eine Fahrer sprach neben Polnisch Englisch, der andere Französisch. Die jungen Männer sahen nicht aus wie Leute, die normalerweise Möbel schleppen; ich hatte Angst, dass sie unter dem Gewicht meiner Bücherkisten zusammenbrechen. Kisten, wohlgemerkt, die ich problemlos durch die ganze Wohnung bis zum Auto tragen konnte – und ich bin keine Kraftsportlerin. Das Einladen zog sich hin, aber die beiden schienen gründlich zu arbeiten. Zum Schluss musste ich einen Frachtbrief einer polnischen Firma ausfüllen – die Firma, die ich mit meinem Umzug beauftragt hatte kam nicht vor.

In diesem leicht gespenstischen Umfeld machte ich den Alptraum-Fehler: Ich hatte vergessen, dass ich schon im August Zollpapiere und alle weiteren Unterlagen vorbereitet hatte, und ließ die Herren mit einer Packliste in dreifacher Ausfertigung ziehen.

Elisabeth und Paul hatten mir für diese letzte Nacht in Bern Asyl gewährt, mich ausgezeichnet bekocht und mit einem Spiel  den Trennungsblues zu verscheuchen versucht, als ein Anruf uns aus der weinseligen Gemütlichkeit riss: Der Zoll brauche noch weitere Papiere. Ein E-Mail klärte mich über mein Versäumnis auf. Mit Pauls Hilfe konnte ich die fehlenden Unterlagen ausdrucken. Eine Stunde später waren die jungen Männer wieder da, schnappten sich die Papiere – natürlich ohne sie zu prüfen – und waren wieder weg.

Mir war das furchtbar peinlich. Gleichzeitig dachte ich: Wenn die so schnell so viel und weit fahren, dann muss ich fürchten, dass die schon vor mir in Hamburg sind.

Montag war Reisetag, und der wäre eine eigene Geschichte wert. Der Dienstag begann damit, dass das neue Sofa und das neue Bett geliefert und aufgebaut wurden. Was für ein gutes Omen! Jetzt braucht nur noch der DHL-Mann die Internet-Sachen zu bringen. Wenn ich dann WLAN und Internet zum Laufen gebracht hätte, würden auch die Möbelmänner kommen, und am Abend hätte ich eine chaotische, aber vollständige Wohnung.

Das Universum hatte anderes im Sinn. Kein DHL-Mensch kam und keine Umzugswagen, stattdessen ein wütender Anruf des deutschen (!) Umzugs­unter­nehmers. „Seine“ Leute hätten wegen mir zehn Stunden am Zoll warten müssen. „Warum haben Sie oder die Leute vom Zoll mich nicht einfach ange­rufen, um die offenen Fragen zu klären? Mein Handy war die ganze Zeit an.“ … Keine Antwort. Ich würde für die Wartezeit bezahlen müssen und außer­dem müsse ich bis abends um fünf die Rechnung, die er am Freitag­abend geschickt hatte und die mehr als fünf Prozent über dem verein­barten Festbetrag lag, bezahlen, sonst würde er das Ganze stoppen.

DHL hatte das WLAN-Zeug noch immer nicht gebracht; ich war offline. Wie sollte ich Geld überweisen? Die UBS nimmt keine telefonischen Überweisungsaufträge fürs Ausland entgegen. Die VR Bank in Starnberg überweist Beträge über 2000 Euro nur, wenn jemand in der Bank den Auftrag­geber persönlich kennt. Das ist bei mir leider nicht der Fall. Das Bedauern der VR-Bank-Frau ist größer als das der UBS-Frau.

Die Damen von der HASPA am Fleetplatz helfen mir – hier kann ich meine Überweisung veranlassen. Dann sitze ich wieder zu Hause und warte auf DHL. Ich putze noch ein bisschen – es ist genug zum Putzen da. Und dann tritt die Schockstarre ein. Es ist wie verhext, ich kann einfach nichts mehr machen.

Dabei wäre es so einfach gewesen: Ich hätte mich hier bei der Post/DHL erkundigen können, ob DHL meinen Auftrag heute noch ausliefert. Bei einem „Nein“ hätte ich mit meinem Laptop ins Einkaufs­zentrum nach Bergedorf fahren können. Dort gibt es freies WLAN – Arbeiten wäre möglich gewesen. Oder ich hätte im Vodafone-Shop endlich meinen neuen Handyvertrag abschließen können. So viele „hätte“ und „könnte“ – am Dienstag ging das alles nicht. Ich saß zu Hause auf meinem neuen Sofa und las „Play it again“ von Alan Rusbridger. An dieser Stelle ein herzlichstes Danke an Carole und Jean-Jacques für diesen Tipp. Das Buch ist großartig.

Mittwochmorgen: Ab heute gilt das billige Abonnement für mein Sunrise-Handy. Ich kann per SMS keine Bilder mehr verschicken, jedes Telefongespräch wird jetzt RICHTIG teuer. Die Wohnung ist noch immer ziemlich leer (und ziemlich schmutzig). Doch dann kommt DHL. Die Sachen sind übersichtlich verpackt. Die Erklärung leicht verständlich und gut bebildert. „Wenn Ihre Multimediadose zwei Ausgänge hat, stecken Sie bitte den Multimediadosenadapter auf.“ Der ist leider nicht dabei. Die Möbelmänner kommen erst um zwei, da bleiben zwei Stunden, um so einen Adapter zu besorgen. Oder eben nicht: Den gibt es nur direkt bei Kabel Deutschland, erklärt der Mann bei Saturn. Kabel Deutschland hat eine Service-Nummer, die ist kostenlos, beginnt mit 0800 und lässt sich von einem Schweizer Handy nicht anrufen.

In diesem Moment hat mir mein Bruder einmal mehr das Leben gerettet. Seit wir uns auf meiner Durchreise am Montag zum Mittagessen getroffen haben (eine der hübschen Reisegeschichten), hält er mit Anrufen und SMS-Nachrichten Kontakt. Obwohl er genug zu tun und genug eigene Sorgen hat, ist er in diesen Tagen ständig für mich da. Danke, danke, danke, Andreas! Er bestellt den Adapter für mich, und ich hoffe, dass er bald kommt. Und funktioniert.

Um kurz vor zwei bin ich wieder zu Hause, denn jetzt gleich sollen ja die Möbelwagen ankommen. Ich lasse mich beim Warten wieder von Alan Rusbridger ablenken und schicke dem Spediteur erst gegen 15.20 Uhr ein SMS, dass in meiner Wohnung noch immer nur der Kühlschrank brummt. In zwanzig Minuten werde sich das ändern, verspricht das Antwort-SMS. Es dauert noch fast eine Stunde.

Die jungen Männer sehen kaputt aus und erzählen mir als Erstes, dass ich ihnen 300 Euro in bar geben solle. Das sei nämlich ihr Lohn. Der Spediteur hat angedeutet, ich müsse die 300 Euro zahlen, weil meinetwegen der Aufenthalt an der Grenze so lange gedauert habe. Ich überrede die Männer zunächst mal, mit dem Ausladen anzufangen. Während­dessen versuche ich, den Spediteur davon zu überzeugen, dass ich die 300 Euro nicht zahlen werde. Vergebens. Man würde das Ausladen dann eben nicht fortsetzen. Aber erpressen wolle mich ja niemand.

Einige meiner Sachen, unter anderem der Spiegel der alten Frisierkommode von Tim und Micha, haben den Umzug nicht überlebt. Der gute Esstisch ist beschädigt, das Fernsehtischchen auch, die weißen Regale haben Schmutzränder, auf den weißen Stühlen zeichnen sich die Finger der Möbelmänner ab, einige Bücher fühlen sich feucht an; es ist, als habe sich ein sandiger Belag auf die Umschläge gelegt. Sobald die Regale stehen und ich sie sauber gemacht habe, packe ich die Bücherkisten aus. Mir ist unterdessen egal, dass die Möbelpacker stöhnen und jammern, ich hätte „too many things“. Weit nach Mitternacht sind beide Wagen leer, die beiden bekommen ihr Geld und verschwinden in die Nacht.

Der Donnerstag vergeht mit Putzen und Auspacken. Ich trage alle unbeschädigten Kartons in den Keller: 55 Stufen in diesem Treppenhaus, sechs weitere im Nebenhaus, wo sich der Keller befinden. Ungefähr 40 Bananenschachteln und 20 andere; ich habe den Weg in relativ kurzer Zeit wohl 20mal zurückgelegt. Der kleine Keller ist randvoll mit Kisten, aber im dritten Stock entsteht langsam so etwas wie eine Wohnung.

Nachmittags fahre ich nach Bergedorf zum Vodafone Shop. Endlich ein neues Handy samt Vertrag. Nach einer lustigen und kompetenten Dis­kussion erhalte ich immerhin einen Vertag. Das Telefon, das ich gern hätte, muss geliefert werden. Aber kein Problem – es gibt ja das Leih­gerät für solche Fälle. Prima, so werde ich heute Abend ein bisschen telefonieren können.

Zuhause schließe ich das Leihtelefon ans Lade­gerät an und beschäftige mich wieder mit Auspacken, Putzen, Auf- und Einräumen. Nach zwei Stunden zeigt die kleine grüne LED, dass das Telefon aufgeladen ist. Ich tippe die PIN ein. Das Telefon fragt nach einem Passwort. Offenbar hatte der Benutzer vor mir ein Passwort eingerichtet und es bei der Rückgabe nicht gelöscht. „Das tut mir aber leid, Frau Menke. Ich werde die junge Dame anrufen, aber heute schaffe ich das sicher nicht mehr.“

Du rechnest damit, dass der junge Mann aus dem Shop mir am nächsten Tag ein SMS mit dem Passwort schickt, nicht wahr? Du hast Recht. Immerhin werde ich im Laufe des Freitags mit Aus­packen, Putzen, Einräumen, gute-Kisten-in-den-Keller-Tragen, beschädigte-Kisten-Zerreißen und -Weg­werfen fertig. Erstaunlich, dass niemand meckert, dass ich die Abfallcon­tainer mit so viel Pappe fülle.

Am Spätnachmittag fahre ich wieder nach Berge­dorf, und jetzt beginnt der junge Mann im Vodafone-Shop hektisch zu telefonieren. Nach einer halben Stunde habe ich das Passwort, aber natürlich habe ich jetzt die PIN nicht dabei, um das Telefon zu starten …

Heute ist Montag, der 21. November 2016, 18 Uhr. Meine Wohnung ist mehr oder weniger sauber, gemütlich, schön. Clemens und Susanne haben gestern die alte Spülmaschine abgeholt; jemand wird noch in dieser Woche die kleine Maschine aus der alten Wohnung meines Vaters anschließen. Vielleicht kommt sogar der neue Kühlschrank an, und die alte Kühl-Gefrier-Kombination kann ihre Reise nach Baden-Baden antreten. Nächste Woche müsste auch die Waschmaschine geliefert werden. Wenn das Universum es will, werde ich dann auch ein neues Mobiltelefon und einen Multimediadosenadapter haben. Und vielleicht, hoffentlich kann ich dann WLAN, Internet und das Fernsehen installieren. Und vielleicht, hoffentlich kannst DU dann endlich von meinem Albtraum lesen.

Das Gute an Alpträumen ist, dass sie irgendwann vorbei sind.

Eine weitere Woche ist vergangen. Heute ist Montag, der 28. November. Tatsächlich hatte mir ein ehemaliger Kollege meines Bruders jemanden vermittelt, der die Spül­maschine angeschlossen hat. Der Mann kannte auch einen Spediteur, der die Kühl-Gefrier-Kombi nach Baden-Baden hätte bringen sollen, aber leider – so erfuhr ich heute früh – macht dieser Spediteur das nicht mehr. Ich muss selbst jemanden finden. Dafür ist aber der Wasch­trockner da und seit Samstagmorgen erfolgreich in Betrieb. Und, ja, letzten Dienstag brachte die freundliche Postbotin den Multimediadosenadapter, ein kleines Kästchen, das sich ganz leicht auf Radio- und Fernsehantennenstecker aufstecken ließ. Dass das Internet trotzdem nicht funktionierte, war zu erwarten. Es dauerte bis Donnerstagabend, bis sich Kabel Deutschland entschloss, einen Techniker zu schicken. Der kam dann heute Vormittag, baute eine ganz neue Multimediadose ein, und – zack – das Internet lief. WLAN? – Nö, laut diesem Auftrag hier hamse das gar nicht bestellt. Anruf bei Kabel Deutschland. Ja, wir können das freischalten, aber erst morgen, wenn der Auftrag von heute abgeschlossen ist. Am Mittwoch können Sie das WLAN dann nutzen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Immerhin: Ich kann wieder im Web recherchieren, ich kann wieder arbeiten und Bankgeschäfte erledigen. Ich habe einen Glaser gefunden, der mir einen neuen Spiegel für die Frisierkommode macht. Ich kann mich um all die Dinge kümmern, die liegen geblieben sind. Dass sich meine Nähmaschine gestern mit einem kleinen Schmorbrand verabschiedet hat, kann unerwähnt bleiben; die Lampen, die anzuschließen, die Löcher, die zu bohren sind, sind vernachlässigbar.

Noch immer fühle ich mich wie kurz nach dem Aufwachen aus einem Alptraum, aber ich weiß, die Liste mit all den guten Dingen – tolle Begegnungen, der schönen Zeit mit Frank, mit Lisa und Lea-Marie, nette Lieferanten, kompetente Techniker, Sonnenschein, Toastmasters, Traurednertreffen, Meister-stollen… – diese Liste wird auch ganz schön lang. Und morgen fahre ich zum Erzählen nach Rodenäs.

Das Leben ist schön.

The good thing about nightmares is that at some point they are over. You remember something dark and scary which seems incredibly real. You remember the things you have or have not done in your dream and you wonder how this could have happened. But even these feelings fade away as time goes by. That is good.

My nightmare started Sunday morning, 13 November, when a small lorry with tarpaulins and a Polish registration plate stood in front of my house in Bern. Should this car take my belongings to Hamburg? Later that afternoon a second lorry appeared – higher quality. One driver spoke only Polish and English, the other Polish and French. The young men did not look like removal men; I was afraid that they would break down under the load of my boxes. Boxes, nota bene, which I could almost easily carry through the whole apartment and into the car, not being a body builder. It took quite some time to take everything to the cars, but the men seemed to work carefully. In the end I had to fill in and sign a consignment note of a Polish company. The name of the company where I had place the order for the removal did not appear anywhere nor did the removal men know the man, with whom I had discussed everything.

All this felt a little bit spooky and – perhaps – this made me make my biggest nightmare mistake: It had escaped my memory that I had prepared all the papers for the custom back in August. I handed the driver the packing list (with two copies) and let them go.

I had found “asylum” at Elisabeth’s and Paul’s place for this last night in Switzerland. We had had a delicious dinner and a funny game should chase away the “separation blues”, when a telephone call interrupted us: The custom needed additional papiers. An email explained what I had forgotten. Paul helped me to prepare, copy, print the missing things. An hour later the young removal men came back, grabbed the papers without looking at them and disappeared.

I felt ashamed. At the same time I thought: If these two drive that fast and that far they might arrive in Hamburg before me.

On Monday I travelled and there are enough stories to tell about that journey … not now. Tuesday started with the delivery of my new sofa and my new bad. What a wonderful omen! The DHL man would bring the wifi- and internet-material and after I would have installed that successfully the removal men would arrive and on Tuesday evening my apartment would look chaotic but complete.

Well, universe had decided differently for me. Instead of DHL- and removal men I got a phone call from the removal operator – finally the man I had talked to before. “His” men had had to wait for ten hours at the custom because I had filled in the papers in the wrong way. “Why didn’t you or they or the custom people call me to clarify what was unclear?” … no answer. I would have to pay for that, and by the way, if I would not pay his invoice which he had sent on Friday and which was more than 5% higher than his offer, everything would be stopped.

As the DHL man had not arrived I still was off-line. How should I send the money? The UBS would send money to Germany only when I use the “normal” electronic banking procedures. The VR Bank in Germany could under no circumstances process an amount higher than 2000 Euros without the “normal” electronic banking procedures because nobody at the bank knows me personally. At least the VR Bank lady was more sorry than the UBS lady.

With the help of the local HASPA ladies I managed to pay. And I continued waiting for the DHL man. I continued cleaning my new apartment but at some point I simply had enough. There were (and still are) several windows to clean, but I fell into that nightmarely rigidity: Suddenly I was not able to do anything.

It would have been so easy: Still being off-line I could have gone to the local post / DHL office and ask about the state of my order. Hearing that the package would only arrive on Wednesday I could have taken my laptop to Bergedorf where they have free wifi and could have worked. And/or I could have gone to the Vodafone shop to finally get a contract for my German mobile phone. Looking back I can’t understand why I did not do it – I stayed at home, sat on my new sofa, and I read “Play it again” by Alan Rusbridger. Many thanks to Carole and Jean-Jacques for the recommendation. It really is a wonderful book.

Wednesday morning: From today I only have the cheap subscription for my Sunrise mobile phone. Which means that I cannot send and receive pictures via SMS, and every phone call is REALLY expensive. My apartment is still rather empty (and rather dirty). But then the DHL man comes. The explanations are illustrated and highly comprehensible. “When your multimedia socket has two outlets, please, mount the multimedia socket adapter.” Which unfortunately is not in the package. The removal men won’t arrive before two o’clock: Two hours left to buy an adapter. Or: Not to buy an adapter. You can get those adapters only directly from Kabel Deutschland, the man at Saturn explains. You can reach the service of Kabel Deutschland free of charge via a service telephone number which starts with 0800. And which is not accessible from a Swiss mobile phone.

The person who literally saves my life at this moment is my brother. Since we met on Monday for lunch (which would have been one of the beautiful stories about my journey from Bern to Hamburg) he stays in contact via telephone and text messages and although he has loads to do in his office he is always there to help me. Thank you so much, Andreas! He orders the adapter for me, and I hope it will arrive soon and work.

At two pm I am back home. My things are supposed to arrive soon. Once again Alan Rusbridger helps me passing the waiting time. At 15.20 I text the carrier that the fridge is the only noisy thing in my apartment. This would change within twenty minutes is the answer. It takes one more hour until the lorries finally arrive.

The young men look tired, but the first thing they tell me is that I had to give them 300 euros immediately. That would be their salary. The carrier had told me before that I had to pay the 300 euros for the additional waiting time at the border. I persuade the guys to start unloading while trying to convince the carrier that there is no reason to pay. In vain. They would just stop unloading. But I should not worry, nobody wants to blackmail me.

Some of my belongings, amongst them the mirror of Tim’s and Micha’s old dressing table, did not survive the journey. The good table is damaged, the TV table as well, the white shelves wear black stripes of dirt, the white chairs show the removal men’s grey fingerprints. Some books feel a little moist; all of them have a dusty, almost sandy layer upon them. As soon as the shelves stand in line and are clean I start unpacking the book boxes, clean and arrange the books on the shelves. I do not care any longer that the removal men wail and complain that I had “too many things”. Midnight has long passed when the cars are finally empty. I give the guys their money and they disappear into the night.

Thursday passes cleaning and unpacking. I take all the good, strong boxes down to the cellar: 55 steps in this house, another six in the building next door where the cellar is. About 40 banana boxes and about 20 others … the small room soon is packed. But upstairs something emerges which looks like a home.

In the afternoon I visit the Vodafone shop in Bergedorf to get a mobile phone and a contract. After a nice and competent talk with the young man in the shop, I get at least a contract. The telephone has to be ordered. But that’s no problem: I can borrow a phone which they lend to customers in cases like mine. Fine – I’ll be able to do some phone calls in the evening.

When I get home I have the phone charged while I continue unpacking, cleaning, arranging. Two hours later the little green LED indicates that the phone is completely charged. I type in the PIN … and I am asked to type in a password as well. The user who had borrowed the phone before me obviously has set a password. “Sorry, Frau Menke, I will call that young lady. But I do not think that I’ll get her on the phone tonight.”

I know that you do not expect that I got the text message with password some time on Friday. You are right. At least I finished unpacking, cleaning, arranging, taking good boxes to the cellar, tearing apart the worn boxes and throwing them into the bin. Surprisingly enough nobody complains that I fill the containers with so much cardboard.

In the evening I return to Bergedorf, and now the shopkeeper seriously starts to try and find the young lady. In the end I have the password, but of course I did not bring the PIN …

I am writing all this on Monday, 21 November 2016. It’s six o’clock in the evening. My apartment is more or less clean, comfortable, beautiful. Clemens and Susanne have fetched the old dish washer last night. Somebody will come before Saturday and mount the small dish washer which I brought. Maybe the small fridge will arrive this week as well, and the old one can travel to Baden-Baden. Next week the washing machine is due. And, if the universe is in favour of it, there will be a new mobile phone and the multimedia outlet adapter. So maybe, hopefully I can install wifi, internet, and TV. And maybe hopefully YOU will finally read about my night mare.

The good thing about nightmares is that at some point they are over.

Another week has gone by. It is Monday, 28 November. Indeed a former colleague of my brothers had recommended a guy who could (and did) install the dish-washer. That guy even knew somebody who would be able to take the old silver fridge from here to Baden-Baden. But unfortunately that somebody has given up this kind of business. I will have to find someone else.

But the washing machine has arrived and is busily working since that moment. Oh, and the post woman has brought the adapter for the internet last Tuesday, a small box which could easily be mounted. Did it work? – No! Kabel Deutschland would not call a technician before Thursday evening. That man arrived this morning, installed a brand new multimedia outlet, and – bang – the internet worked. Wifi? – No, you did not order this. I called Kabel Deutschland. Yes, we can install that remotely, but only tomorrow, when the technician will have finished his order. You will be able to use Wifi on Wednesday. Let’s hope for the best.

At least: I can search the web, I can work, can pay my invoices. I found a glazier who will make a new mirror for the dressing table. I can take care of all the things I had to postpone. That my old little sewing machine has bid farewell in a little smouldering fire can leave unnoticed. That there are some holes to be drilled, some lamps to be mounted is negligible.

I still feel as if I have just woken up from a nightmare. But I know, the list of all the good things which have happened during the last two weeks – beautiful encounters, the wonderful time with Frank, with Lisa and Lea-Marie, friendly providers, competent technicians, toastmasters, celebrants, delicious stolen – this list will be really long. And tomorrow I’ll go to Rodenäs to tell Christmas stories.

Life is great.


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Stāsti krēslā – Geschichten in der Dämmerung. Schluss

Meine Reise zum Erzählfestival nach Valmiera, 6. bis 9. Oktober 2016

Wieder daheim

Natürlich hatte ich ganz viel Toblerone und Schweizer Wein für meine Gastgeber mitgenommen. Und doch war meine Tasche auf der Rückreise schwerer als vorher. Auf meinem Esstisch türmen sich Geschenke: lettische Süßigkeiten, Bücher, Kühlschrankmagnete mit lettischen Ornamenten, Pulswärmer, Sanddorngelee und Sirup, eine Kette aus Silber und Bernstein.

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Wunderschöne Dinge, und doch sind sie nur ein kleiner Teil dessen, was ich mitgebracht habe. Von der Freundlichkeit und der Offenheit der Menschen, von den Erinnerungen, von den Geschichten werde ich noch lange, lange zehren.


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Liebe Meike Winnemuth,

eigentlich müsste dieser Beitrag mit «Liebe Susanne» überschrieben sein, denn die hat mir Ihr Buch «Das große LOS» nicht nur ans Herz, sondern auch auf den Tisch gelegt: «Die Frau hat ein ganzes Jahr lang jeden Monat in einer anderen Stadt gelebt. Das könnte dir gefallen.»

Ich wollte das gar nicht lesen, Meike, echt nicht. Mich würde ja doch nur der Neid packen, und ich würde wieder an all das erinnert, was mir nicht gelingt, gelungen ist, gelingen wird. Bei Jauch habe ich mich schon x-mal vergeblich als Kandidatin beworben; Selbstversuche scheitern nach drei Stunden, drei Tagen, zweieinhalb Monaten (das war die 5-2-Diät, ausgesprochen wirksam!). Solches Scheitern per Blog oder gar Buch in die Welt hinauszuschreiben, würde a) an meiner Bequemlichkeit und b) an der festen Überzeugung scheitern, dass das sowieso niemand lesen will. In dieser Reihenfolge, bitte!

Na ja, ich hab also das Buch genommen, in die Einkaufstasche gesteckt und diese in der S-Bahn liegen lassen. Nicht mit Absicht, bestimmt nicht, schließlich war das Buch geliehen. Nach exakt einem Monat meldete die Bahn, dass Tasche und Buch wider Erwarten aufgetaucht seien. Anlass für einen erfreuten Post auf Facebook. Dann der Kommentar von Steffie: «Und das inspirierende „Grosse Los“ Buch :). Ich finde nämlich schon lange, dass du was von ihr hast.»

War das etwa ein Kompliment? Ich mache mich mal ans Lesen. Mehr als einen Monat am Stück schaffe ich selten. Es gibt immer so viel zu lachen, zu weinen, zu denken. Und: Nein, ich bin überhaupt nicht neidisch. Der Schlüssel zum anderen Leben klimpert ja andauernd in meiner Kleider-, Hosen-, Rock-, Jackentasche und ich benutze ihn immer wieder. «Try. Fail. Try again. Fail better.» Beckett lässt grüßen.

Sie haben mir also, liebe Meike, einmal mehr klar gemacht, wie wertvoll, freudvoll, lebendig mein Leben ist. Dafür sage ich Ihnen und natürlich auch Susanne ein herzliches, also so ein richtig voll von Herzen kommendes Dankeschön.

Und wenn ich nach London komme, kaufe ich mir einen Morgenmantel. Wo gibt’s die schönsten?

Ihre Roswitha