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Möglichkeiten

Der Möglichkeitssinn

Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, dass er seine Daseinsberechtigung hat, dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann. Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, dass es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.

(Robert Musil. Gefunden heute im „Anderen Adventskalender“)

Da stellt sich doch die Frage, was jetzt, wo das Jahr noch so jung ist, alles möglich ist und möglich wird. Es ist wieder mal Zeit für: Wie will ich leben? Ich gebe zu, ich habe in den Tagen zwischen den Jahren keine Antwort gefunden, von der ich „genau so ist es“ sagen könnte. Aber das Gefühl, dass ich genau diese Antwort gar nicht finden will, das ist stärker geworden. Leben von Tag zu Tag. Halten, was ich verspreche, und nur das versprechen, was ich halten kann. Aufmerksam sein für die Dinge und Menschen, die um mich herum sind, und – mit etwas Glück – sehen, wie sie sein könnten. Wenn ich das schaffe, dann hat mein 2015 alle Chancen, gut zu werden.

Und deins?

Reflexionen. Könnte sein.
Bild von Giny Tjassing