Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


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Bohnen-Alternative: 5 beste Sachen

Dina hat die Geschichte von der Frau erzählt, die sich jeden Morgen eine Handvoll Bohnen in die linke Jackentasche steckte. Wenn sie tagsüber etwas Schönes sah, hörte, erlebte, nahm sie eine Bohne und steckte sie von der linken Tasche in die rechte. Am Abend setzte sich dann auf ihren Lieblingsplatz, holte eine Bohne nach der anderen aus der rechten Tasche, betrachtete sie und erinnerte sich an all das Gute und Schöne, das ihr während des Tages geschehen war.

Bohnen

Ich trage gern Kleider und Röcke, und die haben meistens keine Taschen. Also brauchte ich eine andere Möglichkeit, mich zu erinnern. Auf Facebook habe ich dann die Idee gefunden, jeden Tag die Dinge, für die man dankbar ist, auf einen Zettel zu schreiben und diese Zettel in einem Marmeladenglas zu sammeln. Ich habe ein Gurkenglas genommen, weil es größer ist. Aber auch das war ziemlich schnell voll und brauchte viel Platz im Regal.

Dann kam eine Therapeutin mit der Idee, jeden Tag die fünf besten Dinge, die mir passiert sind, in ein Heft zu schreiben. Fünf Sachen. Nicht mehr und nicht weniger. Die erste Aufzeichnung ist vom 10. April 2013. Gefreut habe ich mich damals unter anderem über Sonnenschein im Schlafzimmer.

Seither schreibe ich täglich und bin inzwischen beim vierten Heft. Manchmal scheint es schwer, fünf Sachen zu finden, manchmal mogele ich und schreibe mehr. Auf jeden Fall bringt mich dieses kleine Ritual jeden Abend zum Lächeln. Da schlafe ich gleich leichter ein.

Die Hefte liegen griffbereit neben meinem Schreibtisch. Manchmal blättere ich darin.  Am 31. Mai habe ich notiert: Fernseher ausgemacht, als es langweilig wurde. Am 19. September: Mit meinem Wissen über Katharina, die Große, angegeben – hat gut getan. Am 1. Februar: Viel Nicht.

Ganz oft muss ich grinsen, wenn ich mich an die kleinen Situationen erinnere. Oft fallen mir sogar die Dinge wieder ein, die ich an dem Tag NICHT aufgeschrieben habe. Kurz und gut: Das 5-beste-Sachen-Heft gehört zu den besten Errungenschaften in meinem Leben. Und du kannst es gerne nachmachen!


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Gibt es schlechte Entscheidungen?

Ein ganz normales Meeting der Lakeshore Speakers Neuchâtel*): Reden, Bewertungen, Stehgreifreden. Mich trifft die Frage: „Was war die schlechteste Entscheidung deines Lebens?“ Ich darf 30 Sekunden denken und dann zwei Minuten lang antworten.

Gibt es überhaupt schlechte Entscheidungen? Lernt man nicht aus jeder Entscheidung etwas, das einem hilft, es in Zukunft besser zu machen? Mir ist diese Überlegung zu einfach.

Gut oder schlecht entschieden?

Heirat und Scheidung, Abtreibung oder Kind, Gehen oder Bleiben? Ich habe keinen Zugriff auf ein Parallelleben, in dem ich mir anschauen könnte, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich anders entschieden hätte. Wenn ich mit einer Entscheidung unzufrieden bin, werde ich nie sagen können, ob mich die Alternative zufriedener gemacht hätte.

Was würde ich rückgängig machen?

Ein Frühlingstag im Jahr 1976, in ein paar Wochen mache ich mein Abi. Und, na klar, werde ich bestehen. Und dann gehe ich auf die Dolmetscherschule. Englisch. Französisch. Russisch. Ich bin aufgeregt, freue mich.  Nein, sagt mein Vater, ist nicht drin. Du kannst eine Lehre machen. Meine Mutter nickt. Keine weitere Diskussion.Ist das klar? Keine Diskussion!

Und ich entscheide schweigend: „Dann werde ich eben mittelmäßig. Sie werden schon sehen, was sie davon haben.“ Besonders mein Vater hatte, so dachte ich, eine strenge Strafe verdient. Ich beschloss, nichts mehr richtig gut und manches richtig schlecht machen. DAS machte ich ein paar Jahre lang dann ganz ausgezeichnet!

Böses Erwachen

Sechs Jahre später kommt mein Sohn zur Welt. Und das Baby bringt mich endlich dazu, die Mittelmäßigkeit abzulegen. Der Kleine hat ein Top-Mutter verdient! Doch ich hatte etliche Fähigkeiten lange brachliegen lassen. Sie zu reaktivieren, war verdammt mühsam, ein paar Züge waren abgefahren, anderen spurtete ich nun hinterher. Und das Dümmste: Meinem Vater, den ich ja hatte bestrafen wollen, war das alles völlig egal.

Fazit

Vielleicht gibt es tatsächlich keine schlechten Entscheidungen, weil man ja aus jeder etwas lernt. Doch die Entscheidung, sich selbst schlecht zu machen, um jemand anderen zu bestrafen – die ist ganz schön blöd. Das Gute: Ich brauche sie nicht zu wiederholen. Und DU kannst von Anfang an anders entscheiden.

*) Die Lakeshore Speakers Neuchâtel sind ein Toastmasters Club. Da kommt man auf solche und viele andere gute Ideen.


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Die klare Sonne bringt es an den Tag

Es ist der 28. Dezember und ich hocke einmal mehr wie eine brütende Henne am Schreibtisch. Da muss, muss, muss doch noch eine Idee kommen! Die Sonne blinzelt zum Fenster rein, und endlich hält es mich nicht mehr am Schreibtisch. Auf, raus in den Wald.

Bild

Der Nebel klebt noch dick zwischen den Bäumen. Ich sehe die nächsten paar Meter des Wegs, doch der Rest verschwindet in gleißendem Weiß. Darüber, nur knapp über den Baumwipfeln, ist die Luft klar. Die Sonne leuchtet mit aller Wintermacht auf die Bäume, der Nebel würde sich aufgelöst haben, bevor ich wieder zu Hause bin.

Mann, o Mann! Deutlicher kann’s nicht sein!? Jeder neue Weg liegt erst einmal im Nebel. Und jedes Mal werden entweder die Sonne oder ich selbst den Nebel auflösen. Ich muss einfach losgehen. Dann sehe ich, was vor mir liegt.

Die drei riesigen, breitschultrigen schwarzen Gestalten, die mir lautlos entgegentaumeln, werden sich bei näherem Hingehen als eine kleine Frau im roten Anorak und zwei sportliche, vergnügte Männer entpuppen. Der unheimliche Hund mutiert zu einem angeleinten, aufmerksamen Welpen. Ein großer Welpe, aber eben doch ein Hundekind!

Ganz wie im richtigen Leben: Wenn ich nicht losgehe, erfahre ich nicht, was mich erwartet. Und ich komme niemals an. Wenn ich mich den Dämonen nicht stelle, werde ich nie erkennen, dass sie in Wahrheit nur Schattenspiele sind.

Und für den Fall, dass sie KEINE Schattenspiele sind, wird mir schon das Richtige einfallen.