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Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


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Gibt es schlechte Entscheidungen?

Ein ganz normales Meeting der Lakeshore Speakers Neuchâtel*): Reden, Bewertungen, Stehgreifreden. Mich trifft die Frage: „Was war die schlechteste Entscheidung deines Lebens?“ Ich darf 30 Sekunden denken und dann zwei Minuten lang antworten.

Gibt es überhaupt schlechte Entscheidungen? Lernt man nicht aus jeder Entscheidung etwas, das einem hilft, es in Zukunft besser zu machen? Mir ist diese Überlegung zu einfach.

Gut oder schlecht entschieden?

Heirat und Scheidung, Abtreibung oder Kind, Gehen oder Bleiben? Ich habe keinen Zugriff auf ein Parallelleben, in dem ich mir anschauen könnte, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich anders entschieden hätte. Wenn ich mit einer Entscheidung unzufrieden bin, werde ich nie sagen können, ob mich die Alternative zufriedener gemacht hätte.

Was würde ich rückgängig machen?

Ein Frühlingstag im Jahr 1976, in ein paar Wochen mache ich mein Abi. Und, na klar, werde ich bestehen. Und dann gehe ich auf die Dolmetscherschule. Englisch. Französisch. Russisch. Ich bin aufgeregt, freue mich.  Nein, sagt mein Vater, ist nicht drin. Du kannst eine Lehre machen. Meine Mutter nickt. Keine weitere Diskussion.Ist das klar? Keine Diskussion!

Und ich entscheide schweigend: „Dann werde ich eben mittelmäßig. Sie werden schon sehen, was sie davon haben.“ Besonders mein Vater hatte, so dachte ich, eine strenge Strafe verdient. Ich beschloss, nichts mehr richtig gut und manches richtig schlecht machen. DAS machte ich ein paar Jahre lang dann ganz ausgezeichnet!

Böses Erwachen

Sechs Jahre später kommt mein Sohn zur Welt. Und das Baby bringt mich endlich dazu, die Mittelmäßigkeit abzulegen. Der Kleine hat ein Top-Mutter verdient! Doch ich hatte etliche Fähigkeiten lange brachliegen lassen. Sie zu reaktivieren, war verdammt mühsam, ein paar Züge waren abgefahren, anderen spurtete ich nun hinterher. Und das Dümmste: Meinem Vater, den ich ja hatte bestrafen wollen, war das alles völlig egal.

Fazit

Vielleicht gibt es tatsächlich keine schlechten Entscheidungen, weil man ja aus jeder etwas lernt. Doch die Entscheidung, sich selbst schlecht zu machen, um jemand anderen zu bestrafen – die ist ganz schön blöd. Das Gute: Ich brauche sie nicht zu wiederholen. Und DU kannst von Anfang an anders entscheiden.

*) Die Lakeshore Speakers Neuchâtel sind ein Toastmasters Club. Da kommt man auf solche und viele andere gute Ideen.