Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Nachdenken übers Texten, Erzählen, Heiraten … Leben


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Montagmorgen #111: Stille

Ist Stille wünschenswert? Kann „man“ Stille aushalten? Ich mag es zu lauschen, hinzuhören, was alles an Tönen in meiner Umgebung herumschwirrt ohne Fernsehen und Radio. Anscheinend fällt es anderen Menschen schwerer. Wie ist das bei dir?

Meine Buchempfehlung für heute ist ein Tipp und ein Geschenk von Ellen Gürtler: Erling Kagge, „Stille – ein Wegweiser„, Insel Verlag, ISBN 978-3-458-36446-7

Das Gedicht von Rainer Maria Rilke, das ich am Anfang zitiere, findest du hier.


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Bummeln

Drei Stunden Zugfahrt … es ist so still. Auf der alten Gartenbank unter dem Vordach steht der Karton mit den neuen Flyern. Hier vertraut man einander und wohl auch dem Wetter. Ich bin froh, dass es nicht geregnet oder geschneit hat, seit der DPD-Mensch das Paket abgestellt hat.

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Der Sonntag ist trüb, windig, eisig. Spazierengehen, habe ich gelernt, ist hier nicht en vogue. Auf der Insel, da tue man das. Ja, manchmal. Wer von der Insel aufs Festland zieht, verlernt es. Die Alternative: SpazierenFAHREN. Ich kurve durch die Dörfer auf der deutschen Seite der Grenze; die Läden in den größeren sind geöffnet: Alkohol und Süßes für die Dänen. Auf der dänischen Seite ein Trödelmarkt in einem alten Bauernhaus. Unmengen Geschirr, schön nach Farben sortiert.

Warum nicht nach Rømø? Da kann man, heißt es, mit dem Auto bis auf den Strand fahren, und es sieht aus, als klare der Himmel auf. Es ist Ebbe. Als ich merke, dass ich auf dem Damm zwischen Festland und Insel fahre, bin ich schon fast drüben. Die Teerstraße geht unversehens in den Strand über. Der Sand ist fest, das Wasser weit weg. Ich könnte bis da raus fahren; einige tun es. Ich will aber gar nicht. Auto abstellen und los. Der Wind peitscht einen dünnen Vorhang aus Sandkörnchen Richtung Wasser, ich lasse mich treiben, unter meinen Gummistiefeln knirscht der Sand, dann immer wieder mal Muscheln, die fein zermahlen in breiten Streifen über den Sand verteilt sind. Ich finde keine Begründung dafür; es ist auch niemand da, den ich fragen könnte.

Egal, es gibt auch Muscheln, die dem gigantischen Mahlwerk entronnen sind. Natürlich hebe ich ein paar Pfahlmuscheln auf: potenzielle Salzlöffelchen. Danach noch eine Runde über die Insel, das Freizeitressort mit Golfplatz, der Fischereihafen. Über den Damm zurück und … herrlich: eine heiße Schokolade und ein Stück Bienenstichtorte im Café Zollhaus.