Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


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Montagmorgen. Die Zehnte.

Das Paar, das ich am letzten Samstag getraut habe, hat statt eines Ja-Worts 18 (also zweimal neun) Gründe genannt, warum er sie und sie ihn lieben. Wunderschön!  Ich denke, es gibt mehr als neun gute Gründe, sich bei jeder Entscheidung über das „Warum“ klar zu werden. Dann braucht man später weniger zu bereuen ;).


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«Trauung» – was ist das?

Was eine «Trau-Frau» sei, fragen mich viele Leute. Ja, man kann eine Hochzeits- oder Trauungszeremonie ohne Pfarrer und nicht in der Kirche feiern. Solche Zeremonien leite ich. Eine solche «freie Trauung» hat rechtlich keine Bedeutung. Wer vor dem Gesetz verheiratet sein möchte, muss zusätzlich zum Standes- bzw. (in der Schweiz) zum Zivilstandsamt.

Abgesehen von der Zeremonie – was bedeutet «Trauung» eigentlich? Ich habe die in Deutschland bekanntesten Märchenkenner gefragt. Die Brüder Grimm waren ja auch Sprachwissenschaftler und haben im 19. Jahrhundert ein deutsches Wörterbuch zusammengestellt. Im Band 21, Sp. 1559 wurde ich fündig.

Grimm_TrauungOh! Überspringen wir mal die Bedeutung «dräuung» und «drohung». Im zweiten Abschnitt finden wir «vertrauen, fiducia; eheschlieszung, copulatio». Wir lernen, dass es den Begriff im Niederdeutschen seit dem 15. Jahrhundert gibt. Im Hochdeutschen hat es bis ins 18. Jahrhundert gedauert, bis er sich dort in seiner heute bekannten Bedeutung eingenistet hat. Wir lernen: «Trauung» ist sprachlich das Verbalabstraktum von «trauen» (Bd. 21, Sp. 1326), und «trauen» ist wiederum ist eng verwandt mit Treue und treu.

Es ging also ursprünglich darum, die Frau dem Mann anzuvertrauen. Bei den Grimms finden wir Zitate, die ich heute überhaupt nicht mehr als gültig erachte. Nein, die Frau muss sich nicht in allem ihrem Manne unterwerfen.

Aber sie soll ihm vertrauen, und er ihr. Treu sein hieße, dem Partner / der Partnerin zu trauen, zu vertrauen. Welche Vorstellungen Braut und Bräutigam von Treue, Zutrauen, Vertrauen haben, darüber lohnt es sich zu reden. Treu, bis dass der Tod …? Nicht fremd-flirten? Nicht fremd-schämen? Immer gleicher Meinung sein, zumindest nach außen? Oh, Schreck! Manchmal kommt man in einer Diskussion seinen eigenen Vorstellungen auf die Schliche.

Und wenn es passt, dann kann man sich «vermählen». Denn das bedeutet, sich ein Versprechen zu geben.