Erlesenes, Erlogenes, Erlebtes

Geschichten übers Schreiben, Erzählen, Heiraten. Und über Geschichten


Ein Kommentar

Zaubertüechli???

Eitelkeit und Faulheit – das ist eine teure Kombination. Und sie macht empfänglich für Geschichten. Genauer: Ich bin eitel genug, um die „sichtbaren Zeichen der Hautalterung“ in meinem Gesicht lästig zu finden. Und ich bin seit jeher zu faul, um mit Reinigungsmitteln, Tages-, Augen-, Nachtcremes, Peelings, Masken, Seren, Make-up usw. meine Haut an altersgemäßen Veränderungen zu hindern zu suchen oder diese Veränderungen geschickt zu vertuschen. Versuche dieser Art endeten meist mit Entsorgung halb geleerter, eingetrockneter Make-up-Tiegelchen oder sobald das erste Set der wärmstens angepriesenen, teuer erworbenen Kosmetikserie aufgebraucht war.

Dann kam der 13. Mai, es war also vor fast drei Wochen, als ich bei der Hausmesse der STARK-Ladys ausstellte. Mir gegenüber war der Stand, an dem ein sehr gepflegtes, ziemlich faltenfreies Ehepaar die Zaubertüechli eines Schweizer Herstellers präsentierte. Als die Besucherströme abebbten, ließ ich mir die Geschichte erzählen.

Der Schaffhauser Tüechli-Produzent hat eine Methode gefunden, getrocknete Wirkstoffe, die die Haut feucht, pickelfrei oder jung machen, in ein Tüchlein zu bannen. Feuchtet man das Tuch an und reibt mit der weichen Seite über Gesicht, Hals und Dekolletee (nicht vergessen!), wechseln die Wirkstoffe unmittelbar vom Tuch in die Haut. Das geht schneller und direkter als bei einer normalen Gesichtscreme, die zusammen mit den Wirkstoffen immer auch eine Art Trägersubstanz auf die Haut aufbringt, die zwar nötig ist, um die Wirkstoffe zusammenzuhalten, ihnen aber gleichzeitig das Eindringen in die und das Wirken in der Haut erschwert. Überdies sei die Reinigungswirkung des Tuchs gewaltig: Wenn man das Gesicht am Abend – und tatsächlich genüge eine Anwendung pro Tag – abreibe, sehe man den Schmutz, der sich über Tag auf der Haut abgelagert habe, ganz deutlich. Rosacea (hab ich nicht) verschwände damit innerhalb von zwei Wochen, Falten bräuchten etwas länger. Ihre eigenen Gesichter, so das Ehepaar, seien ja der beste Beweis. Allerdings hatten sie keine Beweisfotos aus der Zeit VOR den Zaubertüechli.

Brauchte ich auch nicht. Die Geschichte war gut genug, um meine Eitelkeit und Faulheit zu bedienen. Diese Tüechli musste ich haben. Es gab zur Erstbestellung der Monatspackung eine Wochenpackung gratis.

Ich benutze die Tüechli jetzt die dritte Woche – vielleicht zu früh, um nach Falten zu suchen, die weniger tief sind als am 13. Mai. Sicher ist: Das Tuch ist nach der Benutzung nicht grauer als vorher. Sollte die Luft in Neu-Allermöhe (West) und Umgebung so sauber sein?

Hast du Erfahrungen mit Zaubermitteln dieser Art? Erzähl’s mir und uns!


Hinterlasse einen Kommentar

Nebel

„Nimm doch mal die kleine Keramikschale da von der Fensterbank und mach sie auf. Guck, da ist ganz normales Salz drin, aber anstatt eines Löffels hab ich eine kleine Pfahlmuschel genommen.“

In dem Keramikschälchen ist mehr als ein paar Salzkörnchen und einen Streifen glänzenden Perlmutts. Eine ganze Welt liegt in dem Salzfässchen, wo Tränen deine Wangen streicheln, wo Lehm jeden Schritt zur Anstrengung gerinnen lässt, wo scharfe Kanten in deine Zunge und deine Gedanken schneiden. Alles Wissen der Urzeit zusammengepresst zu einer Essenz. Das Können, das Wollen, das Bollwerk. Der Deckel schließt sich über dem Geheimnis.

– – – – – – – – –

Nur das Dröhnen ist geblieben. Die Hafenanlagen hat der Nebel eingepackt, nicht mal die Scheinwerfer dringen durch. Ob die Krane und Stapler diese Atmosphäre auch spüren? Oder wenigstens die Kranführer und Staplerfahrer? Die haben wohl keine Zeit dafür. Ein Schwarm Möwen lässt sich landeinwärts fallen, grauweißflügelschlagende Hektik übereilt das Krähenschwarz, an das ich mich schon gewöhnt hatte. Sie werden doch wohl nicht …? – Nein! Die Meisenknödel bleiben unberührt. Ein kräftiges Flügelschlagen, auf geht’s Richtung Dach, dann sind sie weg. Das Ausflugsschiff mit dem Aladdin-Schriftzug taucht aus der grauen Wand auf, legt an, ein Mensch in Rosa steigt ein, Ablegen zum Ausflug ins Nichts. Es scheint, als sei das Dröhnen lauter geworden.